Finanzinvestoren suchen zunehmend ihr Glück in Fernost. Gründe für die Neuorientierung sind neben den hohen Preisen für Firmenübernahmen in Europa und den USA auch die schlechteren Renditeprognosen in den reifen Märkten. Aber auch in Asien gibt es erste Übertreibungen.
FRANKFURT. „Im vergangenen Jahr ist der Knoten in Asien geplatzt, der Markt ist deutlich gewachsen“, sagt Stefan Hepp, Vorstandschef der schweizerischen Beratungsgesellschaft SCM Strategic Capital Management AG.
Der Wert der übernommenen Unternehmen und Konzernteile hat sich in Fernost im vergangenen Jahr gegenüber den Vorjahren auf rund 32 Mrd. Dollar mehr als vervierfacht. Dies geht aus einer SCM-Analyse hervor. „Im globalen Vergleich lässt sich in Asien tatsächlich ein überdurchschnittliches Wachstum von Private Equity feststellen“, sagt Stefan Bannwart vom Beteiligungsspezialisten Adveq. Dominiert wird das Geschäft von den internationalen Megafonds wie Apax oder Blackstone, die bei den milliardenschweren Deals einen Marktanteil von 75 Prozent erreicht haben. Prominente Beispiele waren zuletzt der Einstieg von Goldman Sachs Capital Partners bei der chinesischen Bank ICBC, der Kauf des indischen Softwarespezialisten Flextronics durch KKR und das Milliardenengagement von Carlyle beim taiwanischen Kabelbetreiber Eastern Multimedia. Alle großen Beteiligungshäuser haben ihre Präsenz mit zwei bis drei Büros vor Ort ausgebaut, der Finanzinvestor Carlyle ist sogar in acht Städten mit eigenen Teams präsent. Zwar gibt es laut Marktteilnehmern auch eine starke Zunahme lokaler Fonds, diese sind aber zu klein, um bei den Filetstücken in Asien mitzubieten.
Für den neuen Goldrausch gibt es mehrere Gründe. Einmal locken die hohen Wachstumsraten in Ländern wie China, Indien oder Australien, zum anderen spielen nationale Faktoren den Investoren in die Hände. „Japan steckt noch mitten im Umbau seiner Konzerne, und in Indien und Australien wurden verschiedene Sektoren mehr oder weniger dereguliert“, erläutert Hepp. Allerdings spielt auch eine Rolle, dass die Märkte in Europa und Nordamerika viel schwieriger geworden sind für die Finanzinvestoren. Der enorme Kapitalüberhang hat dazu geführt, dass hier die Preise für Mehrheitsbeteiligungen deutlich gestiegen sind. Die Zahl der lukrativen Übernahmeziele kann mit dem Geldangebot nicht mithalten, außerdem sind die Industriekonzerne in den Auktionen wieder wettbewerbsfähig geworden und machen den Private-Equity-Häusern das Leben schwer.
Aber auch in Asien gibt es erste Übertreibungen. „Es gibt einen großen Nachholbedarf in Asien, aber auch schon Anzeichen für eine Blasenbildung“, meint Hepp. Dies gelte vor allem für die Investments in junge Technologiefirmen in Indien und China. Die spezialisierten „Venture Fonds“ hätten in den vergangenen beiden Jahren sechs Mal mehr Geld eingesammelt als investiert worden sei. Nun wachse die Gefahr von Fehlschlägen.
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Bessere Chancen wird dem Buyout-Segment eingeräumt, wo etablierte Mittelständler oder Abspaltungen von Konzernen gekauft werden. Die Private-Equity-Fonds halten diese Unternehmen einige Jahre und bauen sie um. Danach bringen sie die Firmen an die Börse oder sie verkaufen sie in der Regel zu einem höheren Preis weiter. Ein Beispiel für das wachsende Engagement in diesem Bereich ist der Finanzinvestor CVC, bei dem Asien schon ungefähr 25 Prozent des globalen Geschäfts ausmacht. 2005 hatte CVC seinen jüngsten Asien-Fonds über knapp zwei Mrd. Dollar aufgelegt. „Wir investieren hauptsächlich in die reiferen Märkte, also Japan, Australien, Korea und Singapur, aber auch zunehmend in China“, sagt Managing Partner Steve Koltes. Für SCM-Chef Hepp wird der Boom noch anhalten, vorausgesetzt, es gibt keine größeren Turbulenzen bei den Währungen. Wenn Indien und China nicht volkswirtschaftlich aus der Spur kommen, werde sich der Trend fortsetzen, so Hepp.
Geldschwemme
Der asiatische Markt hat aus Sicht von Finanzinvestoren großes Aufholpotenzial. Während in den USA 23 Prozent des gesamten Investitionsvolumens auf Beteiligungsgesellschaften entfallen, sind es in Fernost lediglich sieben Prozent. Zuletzt haben Finanzinvestoren kräftig eingekauft. Allein 2006 betrug das Transaktionsvolumen 32,4 Mrd. US-Dollar, 2004 waren es noch 7,9 Mrd. Dollar.

