Der für Freitag geplante Börsengang des US-Finanzinvestors Blackstone wird aller Voraussicht nach ein großer Erfolg. Investoren hätten sich um die Papiere regelrecht gerissen, heißt es in Bankenkreisen. Nach Ansicht von Experten ist das ein weiteres Indiz dafür, dass die Private-Equity-Branche ungeachtet der zuletzt gestiegenen Zinsen und der wachsenden Nervosität an den Kreditmärkten keinen Einbruch fürchten muss.
jkn/pk/rob FRANKFURT. „Finanzinvestoren werden auch im zweiten Halbjahr sehr aktiv bleiben“, prognostiziert Berthold Fürst, Chef der Abteilung Fusionen und Übernahmen bei der Deutschen Bank.
Das erklärte Ziel von Blackstone-Chef Stephen Schwarzman ist es, sich einen alternativen Zugang zu frischem Kapital zu verschaffen. Bislang sammeln Private-Equity-Firmen ihre Mittel bei privaten Geldgebern ein, vor allem Pensionsfonds, Stiftungen und Versicherungen. Die Firmen haben in den vergangenen Jahren enorme Summen in die Anlageform Private Equity gepumpt. Nach Berechnungen des Finanzidienstleisters Thomson Financial sammelten die europäischen Beteiligungsfonds im vergangenen Jahr 89,8 Mrd. Euro ein, das sind 18 Mrd. Euro mehr als 2005. Im Jahr 2004 belief sich die Summe erst auf 27,5 Mrd. Euro.
Den meisten Experten zufolge gibt es keine Anzeichen dafür, dass dieser Geldfluss an die Finanzinvestoren versiegen könnte – auch wenn die Risikofaktoren zunehmen. So beobachten die Private-Equity-Fonds nicht ohne Sorge die weltweit steigenden Zinsen, weil sie ihre Übernahmen zum weitaus größten Teil über Kredite finanzieren. Die zehnjährigen Anleihezinsen in den USA und im Euro-Raum sind in der vergangenen Woche mit 5,3 und 4,7 Prozent auf die höchsten Stände seit rund fünf Jahren geklettert.
Trotz dieser eher ungünstigen Zinsentwicklung gibt sich die Private-Equity-Branche gelassen. Die Entwicklung der Liquidität habe eine viel größere Bedeutung als die Zinsen, heißt es in der Branche. Und die Liquidität entwickelt sich nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Manager Fürst ausgesprochen günstig. Fürst hat beobachtet, dass sich eine neue Investorenklasse gebildet hat, die den Private-Equity-Firmen üppige, wegen der großen Nachfrage zum Teil sehr billige Kredite zur Verfügung stellt. „Deshalb dürfte auch künftig genug Liquidität vorhanden sein“, sagt er. Bei den neuen Investoren handelt es sich um Hedge-Fonds, Versicherungen und Banken.
Auch mit Blick auf die laufenden Private-Equity-Engagements sind die meisten Branchenkenner entspannt. „Ich sehe derzeit wegen der steigenden Zinsen absolut kein Risiko für die bestehenden Private-Equity-Engagements. Die Finanzierung solcher Transaktionen ist langfristig – und in der Regel gegen steigende Zinsen abgesichert“, sagt Steven Koltes, Deutschland-Chef des Finanzinvestors CVC.
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Lediglich dramatische Zinssprünge könnten die Beteiligungsbranche in die Bredouille bringen. „Ein solches Szenario ist jedoch sehr unwahrscheinlich, und dazu geben auch die konjunkturellen Rahmendaten keinen Anlass“, erklärt Jochen König von der Royal Bank of Scotland.
Allerdings werden die steigenden Zinsen die Dynamik des Private-Equity-Booms nach Ansicht von Peter Schwanitz, Manager beim Dachfondsanbieter VCM Capital Management, zumindest etwas bremsen. Wegen der höheren Zinsen würden die Private-Equity-Firmen bei künftigen Zukäufen wohl mehr Preisdisziplin üben. Schwanitz: „Das täte dem teilweise überhitzten Markt auch durchaus gut.“
Eine skeptische Minderheit der Branchenexperten rät hingegen, sich häufende Warnsignale nicht zu unterschätzen. „Steigende Zinsen sind wie ein fernes Donnergrollen für die Private-Equity-Branche“, warnt Roman Zeller, Geschäftsführer des Sanierungsexperten Alix Partners. Schnell könnten sich Gewitter über eine Reihe von Zukäufen bilden, die aggressiv, mit viel Fremdkapital, finanziert worden seien. Darauf seien längst nicht alle Private-Equity-Firmen vorbereitet. Hinzu kommt die steigende Nervosität an den Kreditmärkten. Erst vor wenigen Tagen warnte der Chef des Internationalen Währungsfonds, Rodrigo de Rato, der Übernahmeboom könne angesichts der steigenden Zinsen weltweit die Finanzstabilität gefährden.
Die Geldquellen der Finanzinvestoren
Eigene Mittel: Die Fonds sammeln ihr Geld bei Stiftungen, Pensionsgesellschaften, Versicherungen und Privatleuten ein. Diesen werden zweistellige Renditen versprochen. Bislang kommen die Geldgeber allerdings vor allem aus dem angelsächsischen Raum.
Fremdkapital: Angesichts hoher Renditen und Liquidität stellen die Banken den Private-Equity-Firmen umfassende Kredite zur Verfügung. Der übliche Risikoaufschlag ist zuletzt massiv gesunken, die Vergabe wurde immer laxer.

