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10.07.2007 
Schwierigeres Umfeld

Private Equity spürt Gegenwind

von Jens Koenen, Peter Köhler und Robert Landgraf

Von einer Krise möchten Insider der Finanzbranche nicht reden, schließlich blieb die Zahl der Private-Equity-Deals zuletzt konstant. Dennoch kommt die Branche nicht um die Erkenntnis herum, dass die goldenen Zeiten mit hohen Risiken zunächst vorbei sind. Grund ist eine prinzipiell erfreuliche Entwicklung.

FRANKFURT. Die erfolgsverwöhnte Beteiligungsbranche musste im ersten Halbjahr 2007 einen Dämpfer hinnehmen. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young blieb zwar die Zahl der Transaktionen in Deutschland in den ersten sechs Monaten mit 79 Deals konstant, doch sank der Investitionswert gegenüber dem zweiten Halbjahr 2006 um 31 Prozent auf 20,7 Mrd. Euro. Hauptgrund für den ersten Rückgang seit 2004 seien weniger Engagements ausländischer Investoren. Sie fanden nicht mehr so leicht geeignete Objekte.

Trotzdem sind die meisten Fachleute nicht pessimistisch gestimmt. „Ich sehe noch viel Raum für Private Equity. In den USA werden Pensionsfonds noch stärker in diese Anlageklasse investieren“, sagt Joachim Spill, Leiter des Bereichs Transaction Services, im „Frankfurter Gespräch“ des Handelsblatts. Für Deutschland sei er in diesem Punkt allerdings eher unsicher, schränkt der Manager ein.

Peter Hammermann, Leiter des Deutschlandgeschäfts von Barclays Private Equity, sieht den Markt für Beteiligungskapital in Europa zwar „bei weitem nicht ausgereizt“, doch auch er weist auf einige problematische Entwicklungen hin. „Der eine oder andere Fonds hat zu viel Geld. Das ist nicht wegzudiskutieren“ sagt Hammermann. Diese Finanzinvestoren stünden unter Druck, das Geld arbeiten zu lassen, um die versprochenen Renditen zu erzielen.

In der Folge werden Branchenbeobachtern zufolge sehr ambitionierte Preise für Unternehmen gezahlt, wie zuletzt bei der Übernahme der Bavaria Yachtbau durch Bain Capital für geschätzte 1,3 Mrd. Euro. „Die Bewertungen für die Unternehmen haben Höhen erreicht, die wir vorher nicht gesehen haben. Aber man muss auch berücksichtigen, dass die Konjunktur rund läuft und die Firmen ihre Budgets teilweise sogar übererfüllen“, lautet die Einschätzung von Thomas Dewner, Director Structured Finance bei der Deutschen Bank.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kein Dominoeffekt zu erwarten

Einig ist sich die Branche, dass sich die Zeit riskanter Fremdfinanzierungen mit geringen Sicherheiten dem Ende zuneigt und dass die steigenden Zinsen das Geschäft erschweren werden. Anziehende Zinssätze engten den Handlungsspielraum zwar grundsätzlich ein, gibt Dewner zu. Doch sei immer die Frage im Einzelfall zu klären, mit welchen Zinssätzen beim Kauf kalkuliert wurde und welche Sicherungsgeschäfte über welchen Zeitraum eingegangen wurden. „Der Erfolg zeigt sich letztlich dann, wenn die Firmen wieder verkauft werden sollen.“ Angesichts der Entwicklungen an den Kapitalmärkten weltweit seien alle hochsensibel geworden, auch die Eigenkapitalgeber, ergänzt Hammermann.

Ernst & Young-Berater Spill rechnet damit, dass es sicherlich Unternehmen geben wird, die unter einer hohen Schuldenlast in die Krise geraten werden. „Dass es aber einen Dominoeffekt geben wird, dass also in der Breite Kredite gekündigt werden, das erwarte ich nicht“, sagt Spill.

Beim „Frankfurter Gespräch“ wurde zudem klar, dass Private-Equity-Häuser zukünftig echten Mehrwert in den gekauften Firmen schaffen müssen, reine Finanzakrobatik reicht nicht mehr aus. „Wir erleben derzeit eine neue Phase, in der das reine Deleveragen, also das Erzielen der Erträge vor allem durch finanzielle Hebel, vorbei ist. Jetzt geht es darum, durch operative Verbesserungen Wert zu erzielen“, sagt Beteiligungsexperte Spill.

Um die bisher erreichten Renditen einzustreichen, trennen sich die Finanzinvestoren derzeit in großem Stil von ihren Investments. So wurde im ersten Halbjahr 2007 mit 16,9 Mrd. Euro ein Rekorderlös erzielt nach schon beachtlichen 16,1 Mrd. im zweiten Halbjahr 2006.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Trends in der Beteiligungsbranche

Trends in der Beteiligungsbranche

Kaum Club-Deals: Die Fonds haben so viel Geld, dass sie auch große Deals allein stemmen können. 2007 haben sich nur wenige Häuser zu „Club Deals“ zusammengetan.

Strategen zurück: Die Industrieunternehmen sind fit und bieten in den Auktionen selbstbewusst gegen die Private-Equity-Häuser.

Wache Politiker: Die Gewerkschaften und Politiker hinterfragen das Geschäftsmodell. Sie wollen auch wissen, wo die sehr hohen Gewinne der Fonds bleiben und was die Beteiligungsmanager verdienen.

Pensionskassen: Die Manager der Pensionskassen greifen in den M&A-Prozess ein. Sie fordern Aufklärung über die zukünftigen Geschäftsziele.

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