Der europäische Verband der Beteiligungsbranche (EVCA) will die Interessen der Arbeitnehmer bei Akquisitionen stärker als bisher berücksichtigen. Mit den Gewerkschaften sei vor allem bei einigen ganz großen Deals zu wenig kommuniziert worden, sagte der designierte Verbandvorsitzender Helmut Schühsler dem Handelsblatt.
FRANKFURT. Dabei sei der Informationsbedarf gerade unter den Arbeitnehmervertretern sehr hoch, schließlich gebe es bei den Übernahmen durch die neuen und unbekannten Eigentümer einen echten Strukturbruch, sagte Schühsler.
„In vielen Fällen wurde Porzellan zerschlagen. Bei großen Entlassungen müssten die Private-Equity-Manager viel stärker den Dialog mit der Öffentlichkeit suchen, ähnlich wie börsennotierte Unternehmen das tun“, sagte Schühsler, der diese Woche auf dem EVCA-Symposium in Rom für ein Jahr zum Vorsitzenden gewählt wird. Die heftige Kritik am Abbau von Jobs oder die als zu hoch empfundene Verschuldung von übernommenen Firmen betreffe meistens nur ganz wenige Mega-Deals. „Ich habe den Anspruch, dass wir in Zukunft stärker den gesamten Markt zeigen“, sagt Schühsler, der als Managing Partner des Münchner Wagnisfinanzierers TVM Capital den Fokus wieder stärker in Richtung der Anschubfinanzierung junger Technologiefirmen und die Bereitstellung von Wachstumskapital lenken will. „Ein besonderes Anliegen ist für mich die Wissenschaftsfinanzierung“, ergänzte Schühsler, der hier einen immensen Nachholbedarf in Deutschland sieht.
Schühsler beklagte auch, dass die deutschen Risikokapitalgeber ihre Mittel überwiegend aus dem Ausland bekommen. „In Deutschland gibt es ein auffälliges Fehlen der Versicherer als Geldgeber für Wagniskapital. Hier müssen wir die Ursachen suchen; wir müssen besser verstehen, woher die Zurückhaltung kommt“, sagte der Beteiligungsmanager.
Auch Rüdiger Kollmann, Vorstand der Solutio AG, sieht bei den Versicherern noch deutliches Potenzial, allerdings hätten alle Einrichtungen für die Alterssicherung bei Private Equity schon spürbar nachgelegt. „In unserem jüngsten Dachfonds über 600 Mill. Euro haben wir als Investoren auch berufsständische Versorgungssysteme, die wir anfangs nicht auf dem Radarschirm hatten“, sagte Kollmann. Insgesamt steuerten die Versicherungen 48 Prozent der Mittel bei.

