Privatkundengeschäft: Mehr bieten in der Spar-Filiale

Privatkundengeschäft
Mehr bieten in der Spar-Filiale

Es ist die Quadratur des Kreises: Die Commerzbank will ihren Privatkunden mehr Service bieten und gleichzeitig muss sie sparen.
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Düsseldorf1200 Filialen betreibt die Commerzbank Deutschlandweit. Und gefühlt genauso oft hat der Vorstand angekündigt, sich mehr um den „kleinen Sparer“ kümmern zu wollen. Das Privatkundengeschäft soll zum wichtigen Standbein werden.

Das Problem ist nur, dass dann auch Kosten und Einnahmen in einem guten Verhältnis stehen sollten. Davon ist die Commerzbank laut Experten weit entfernt: „Gerade weil die Bank in der Wettbewerbslage nicht die Erlöse steigern kann, muss sie an die Ausgaben ran“, sagt Bankenexperte Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch. „Die Commerzbank hat ein Kostenproblem.“

Die Lösung ist so offensichtlich wie hart: Stellenstreichungen. Zwischen 4000 und 6000 der Jobs muss Deutschlands zweitgrößte Privatbank kürzen. Die Gewerkschaft Verdi fürchtet einen Kahlschlag: Jeder dritte Mitarbeiter in den Filialen könnte wegfallen.

So schlimm wird es wohl nicht kommen. Aber die Kritik der Gewerkschaften an der Sparstrategie steht dennoch: „Die Commerzbank hat kein Kostenproblem, sondern sie macht zu wenig Erträge“, sagt Mark Roach, der für die Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Ein klarer Widerspruch also zu den Argumenten des Vorstandes – und in diesem Fall auch gegenüber dem unabhängigen Fachmann. Offenbar schätzt die Gewerkschaft die Einnahmepotenziale des Geldhauses höher ein als die Führung der Bank. Denn die will gerade im Privatkundengeschäft sparen. Das bedeutet konkret: Geschäftsräume sollen länger aufbleiben, um mehr Kunden anzulocken.

Bankenexperte Dieter Hein kennt das seit langem: „Woran sich die Commerzbank hier versucht, probiert sie im Grunde schon seit 15 Jahren.“ Das Bankgeschäft habe sich durch das Internet verändert. „Filialbanken wie die Commerzbank müssen sich gegenüber Online-Instituten durch besseren Service und bessere Beratung rechtfertigen“, argumentiert Hein. Die Erreichbarkeit für die Kunden sei entscheidend. Und das geht eben nur mit mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit der Angestellten: „Dies ist eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit.“

Es ist ja auch nicht so, dass die Commerzbank mit diesem Problem allein dasteht. Immer noch wirken die allermeisten Bankfilialen wie ein Anachronismus auf viele Kunden: mittags geschlossen, um 17 Uhr wird Feierabend gemacht und samstags steht man vor geschlossenen Türen. Der Einzelhändler um die Ecke hat dagegen bis 22 Uhr auf. Gut, dass man dort mit Karte zahlen kann.

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Mehr bieten in der Spar-Filiale

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Sparen mit Schließung gleichgesetzt

Kommentare zu " Privatkundengeschäft: Mehr bieten in der Spar-Filiale"

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  • Die Frage darf erlaubt sein, bringen längere Öffnungszeiten auch unweigerlich mehr Erträge? Eines steht fest, sie bringen auch mehr Kosten mit sich. Und genau das ist es ja, was die Coba nicht möchte. Ausserdem, nur weil die Angestellten in den Filialen ( egal in welchem Institut ) wie Angestellte aus dem Einzelhandel bezahlt werden, müssen sie deshalb auch die selben Öffnungszeiten haben? Ich glaube nicht. Vielmehr sollte man anfangen das Onlinegeschäft und die Erreichbarkeit der Berater und die Berater an sich zu stärken. Die Coba sollte sich selbst ersteinmal versuchen ein Gesicht zu geben, etwas mit dem sich die Privatkunden auch identifizieren können. Im Moment ließt man eher nur negative Schlagzeilen und DAS so glaube ich, ist nicht das erklärte Ziel der Coba.

  • Die Frage zu lösen, welchen Mehrwert dem Kunden mit welchem Service geboten werden kann, ist elementare Aufgabe eines jeden Unternehmers, egal wie groß oder klein er ist, egal in welcher Branche er tätig ist.

    Kann die Commerzbank diese elementare Frage nicht beantworten, wird sie nicht von Unternehmern geführt, sondern von Verwaltern, die ihr Geld nicht wert sind.

  • Hört sich doch gut an, wir Steigern die Erträge.

    Kunden aufgepasst, mehr zahlen! Für was?

    Im klassischen Geschäft mit dem Giro-Konto, wie soll man da Geld verdienen?

    Bei der Geldanlage: Wie soll man sich gegen Direktbanken durchsetzen? Für den Kunden sind oftmals Produkte mit geringer Marge (ETF´s, Sparbriefe etc.) ideal. Hier noch aufwendig beraten?

    Mit Krediten? Die zentrale Daten-Sammelstelle Schufa ermöglicht dem Kunden (jede Bank hat ja sofort alle Informationen), den für ihn günstigsten Anbieter unter den Banken zu wählen.


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