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12.06.2006 
Nach der Fusion

Profumos Meisterstück

von Christoph Hardt

Ein Jahr ist seit der Fusion der Hypo-Vereinsbank mit Unicredit vergangen. Für die Hauptakteure bei der HVB genug Zeit, um sich mit den Veränderungen innerhalb ihres Instituts abzufinden.

MÜNCHEN. Zukunftsforscher legen ihre Visionen gern als Bilder an. Bild Nummer eins geht so: der Ort Montecatini in der Toskana, im Hintergrund der Appenin, Rosenduft, Lucca so nah. Hier, in italienischer Idylle, zeigt Roberto Nicastro, Privatkundenchef der Großbank Unicredit, seinen 80 Kollegen aus der Hypo-Vereinsbank in diesem Jahr am Muttertagswochenende, was sie in Zukunft erwartet. „Customer satisfaction“, Kundenzufriedenheit, das sei der Schlüssel zum Erfolg, bläut er den etwa 80 Niederlassungsleitern und Stabskräften aus dem Privatkundengeschäft ein. Mittel- und Osteuropa sind auf seinen Karten ganz rot, es ist das Unicredit-Land. Wir alle sind Teil des großen Ganzen, soll das heißen.

Bild Nummer zwei: 15. März 2006, Kardinal-Faulhaber-Straße 1 bei schlechtem Wetter in München. Zehn Vorstände sitzen auf der Bühne des Kongresszentrums in der pompösen Zentrale der Hypo-Vereinsbank (HVB). Etwa genauso viele Journalisten sind gekommen. HVB-Chef Wolfgang Sprißler, die graue Eminenz der Bank, präsentiert die Jahresbilanz und zeigt seine Karte von Mitteleuropa. Die ist ganz blau, das Reich der HVB. Jeder hier im Glaspalast ahnt in diesem Augenblick, dass es dieses Bild in Zukunft nicht mehr geben wird. Bild drei ist bekannt, zeigt einen noch jugendlich wirkenden Herrn mit vollem grau meliertem Haar, wie es so viele Frauen mögen. Er lächelt verschmitzt und legt seinen linken Arm um die linke Schulter eines weniger jugendlich wirkenden, kleineren Herren. Auch der kleinere lächelt, nur anders, irgendwie losgelöster. Der eine ist Alessandro Profumo, CEO von Unicredit und Herr des Konzerns. Der andere ist Dieter Rampl, an diesem Tag noch Vorstandssprecher der HVB, heute so eine Art Bundespräsident von Unicredit. Es ist der 13. Mai 2005, die Herren verkünden den Zusammenschluss, der eine Übernahme ist. Das letzte Bild ist erst ein Jahr her und wirkt trotzdem schon wie ein Bild aus tiefer Vergangenheit. So viel ist seither passiert.

Die HVB von heute, das ist eine andere Bank, Teil eines europäischen, von Mailand aus geführten Bankkonzerns. Längst sind die Divisionen der HVB nach dem Muster der Unicredit geformt, so wird es leichter, auch in München durchzuregieren. Konzernweite Produkte gibt es längst, das grenzüberschreitende, schnelle Zahlungssystem Flash Payment, auf das die Münchener so stolz sind – es kommt von ihnen. Und dann soll es in Deutschland bald nach italienischem Vorbild auch eine internetbasierte Konsumentenbank geben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Unicredit-Chef Profumo kennt sich mit Fusionen aus. Nun absolviert er unter Vollgas sein Meisterstück.

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