Die Sparkassen fordern Provinzial Nordwest und SV Sparkassenversicherung zur Fusion auf. Bislang haben sich die Vorstände nicht geäußert. Eine wichtige Fusionsentscheidung steht am Freitag an.
MÜNSTER. Die Provinzial Nordwest hat kühl auf das Liebeswerben der SV Sparkassenversicherung reagiert. Beide Versicherungen sollen nach dem Willen der Sparkassen fusionieren. Bis Oktober müssen die jeweiligen Eigentümer entscheiden, ob Fusionsgespräche stattfinden. Dazu sagte der neue, ab Anfang 2009 amtierende Vorstandschef Ulrich Rüther gestern in Münster: "Das sind Eigentümerfragen. Warten wir mal ab, was da passiert."
Diese Zurückhaltung ist verständlich. Denn noch ist alles möglich. Zwar drängt der Münsteraner Sparkassenpräsident Rolf Gerlach derzeit besonders intensiv auf Fusionen von öffentlichen Versicherern. Doch er verfügt nur über 40 Prozent an der Provinzial Nordwest. Weitere 40 Prozent besitzt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Dieser entscheidet am Freitag, wie er mit der Sperrminorität umgehen will. Im Vorfeld hat Verbandsdirektor Wolfgang Kirsch eine Fusion abgelehnt. Auf Anfrage verwies er auf eine entsprechende Pressemitteilung vom 8. Mai.
Kommunalpolitiker im Landschaftsverband werden daher gestern genau hingehört haben, was der zum Jahresende ausscheidende Vorstandschef Heiko Winkler zu sagen hatte. Wie Rüther wollte auch dieser öffentlich keine Empfehlung aussprechen. Das werde er sich für den kleinen Kreis vorbehalten. Dies ist überraschend, weil Winkler generell Fusionen befürwortet.
Um so ausführlicher sprach der amtierende Provinzial-Chef über die Probleme in der gemeinsam von Münster und Stuttgart betriebenen IT-Gesellschaft Vers-IT. Zwei Geschäftsführer mussten gehen, weil die Geschäftspläne nicht aufgingen. In Stuttgart, wo die unternehmerische Führung liegt, wurde dies mit menschlichen Problemen begründet. In Münster legten die Vorstände erstmals die Zeitplanung offen.
Winkler erklärte, das IT-Projekt werde später als ursprünglich geplant abgeschlossen - 2013 statt 2008 - und brauche etwa ein Jahrzehnt länger, bis es in den schwarzen Zahlen sein werde. Erst um das Jahr 2022 sei mit schwarzen Zahlen zu rechnen. Ursprünglich sollte die Gewinnschwelle zum Jahr 2011 erreicht sein. "Wir haben den Zeitaufwand für Neuentwicklungen unterschätzt", begründete Winkler dieses Desaster.
Eine Antwort auf die Frage, wer dafür verantwortlich sei, vermied er. In der Branche zeigen hier manche auf Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, den Chef der Sparkassenversicherung. Glänzend steht allerdings auch Winkler nicht gerade da. Seine Konzernbilanz weist viele Schwachstellen auf. Er begründete dies mit Problemen bei der Kieler Provinzial und hohen Sondererträgen, die im Jahr 2006 angefallen waren.

