Provision für Tipps: Mehr als 10.000 Beamte helfen der Debeka

Provision für Tipps
Mehr als 10.000 Beamte helfen der Debeka

Der Versicherungskonzern Debeka unterhält im deutschen Beamtenapparat ein gewaltiges Netz von Tippgebern. Diese Vertrauensmitarbeiter kassieren Provision. Der Versicherer hält dies für anerkannt und transparent.

DüsseldorfDer Skandal um die traditionsreiche Debeka-Versicherung erreicht eine neue Dimension. Nach Recherchen des Handelsblatts unterhält das Koblenzer Unternehmen bundesweit ein Netz von mehr als zehntausend Beamten, die gegen Bezahlung bei der Vermittlung von Krankenversicherungen, Lebensversicherungen und anderen Debeka-Produkten helfen.

Über die Jahre sollen so weit mehr als 100 Millionen Euro von der Versicherung an Beamte geflossen sein. Diese Beamte würden intern „Vertrauensmitarbeiter“ (VM) genannt und Namen und Kontaktdaten vor allem solcher Kollegen vermitteln, die gerade ihren Dienst angetreten haben.

Dem Handelsblatt vorliegende Unterlagen zeigen, dass das VM-System bei Debeka seit vielen Jahren existiert. Die Vermittlung einer Krankenversicherung wird mit mindestens 150 Euro honoriert. Und entschließe sich der junge Kollege, bei Debeka eine Lebensversicherung zu unterzeichnen, könnten 600 Euro und mehr für den Vertrauensmitarbeiter herausspringen.

Die Interessenvertreter der Beamten sind alarmiert, seit das Handelsblatt Anfang November aufgedeckt hat, dass Staatsdiener persönliche Daten junger Kollegen an den Debeka-Vertrieb verkauften. „Es ist nicht schön für mich als Gewerkschaftschef, so etwas sagen zu müssen. Aber wenn es strafrechtliche Verstöße von Beamten gegeben hat, dann müssen die auch geahndet werden“, sagte Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt. Er sieht das „gesamte Geschäftsmodell der Versicherung infrage gestellt“.

Anfang November hatten sich nach dem ersten Bericht des Handelsblatts über die Bestechung von Beamten durch Debeka-Mitarbeiter der Landesbeauftragte für Datenschutz Rheinpfalz-Pfalz und die Staatsanwaltschaft Koblenz eingeschaltet. Debeka ermittelt selbst und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit einer Untersuchung der Vorgänge.

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