Prozessauftakt HSH Nordbank: Omega 55 verfolgt Dr. No

Prozessauftakt HSH NordbankOmega 55 verfolgt Dr. No

Der Untreue-Prozess gegen den ehemaligen HSH-Chef Nonnenmacher und weitere Vorstände hat begonnen. Schon der erste Tag zeigt: Das Verfahren birgt viele Unwägbarkeiten. Selbst der Richter sieht sich Neuland betreten.
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DüsseldorfDie langen, dunklen Haare wie stets glatt gegelt und stramm zurückgekämmt, den Mund wie zu einem ironischen, fast sarkastischen Lächeln zusammengezogen – so tritt Dirk Jens Nonnenmacher in Hamburg vor die Richter. Der Ruf des Mathematik-Professors als smarter, aber uneinsichtiger Banker hat sich in der Öffentlichkeit längst gefestigt. Während die HSH Nordbank Millionen versenkte, beharrte er auf seiner hohen Abfindung. Ein Mammutprozess soll die Rolle Nonnenmachers, seines Vorgängers Hans Berger sowie anderer Vorstände beim Niedergang der Landesbank aufklären.

Vor der Großen Strafkammer 8 des Hamburger Landgerichts unter der Leitung des Vorsitzenden Richters Marc Tully verantworten sich seit heute neben Nonnenmacher auch seine fünf früheren Kollegen aus dem Führungsgremium der Landesbank, die 2007 im Amt waren. Damit steht erstmals der komplette Vorstand eines Geldhauses vor Gericht.

Die einstigen Lenker der HSH Nordbank müssen sich für einen Schaden im dreistelligen Millionenbereich verantworten, den sie verursacht haben sollen. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Gemeinschaftlich begangene Untreue in einem besonders schweren Fall. Nonnenmacher, bankintern trug er den Spitznamen „Dr. No“, und der frühere Kapitalmarktvorstand Jochen Friedrich werden zudem der Bilanzfälschung beschuldigt.

Alles sechs Angeklagten weisen sämtliche erhobene Vorwürfe zurück. Sie betonen, ihre Pflichten als Vorstände gewissenhaft erfüllt zu haben. Werden sie verurteilt, drohen ihnen im schwersten Fall Strafen von bis zu zehn Jahren Haft.

Gleich zu Beginn gerät der Prozess ins Stocken. Die Verteidiger kritisieren scharf die Staatsanwaltschaft. Die Anklageschrift sei zu wertend, sagt die Verteidigerin des ehemaligen Leiters des Immobilien- und Firmenkundengeschäfts, Bernhard Visker. Die Schrift verstoße damit gegen den Grundsatz, dass nicht der Angeklagte seine Unschuld, sondern das Gericht seine Schuld beweisen müsse. „Die Medien haben schon eine Vorverurteilung getroffen“, ergänzt sie.

Das Gericht wies nach kurzer Beratung aber den Antrag der Prozessvertreter von Visker und des ehemaligen Vorstands Peter Rieck ab, Teile der Anklage nicht zu verlesen. Zur Anklage nahmen weder Nonnenmacher noch seine Ex-Vorstandskollegen Stellung.

Dem Verfahren gingen jahrelange Vorbereitungen voraus. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelte mehr als zwei Jahre lang und vernahm Dutzende von Zeugen. Weitere eineinhalb Jahre vergingen, ehe das Gericht die Anklage zur Verhandlung zuließ. Die Verhandlungen werden Monate dauern, ehe ein Urteil fällt. Mehr als 40 Prozesstermine bis in den Januar sind schon festgelegt.

Bei Nonnenmacher geht es zudem noch um seine umstrittene Abfindung. Der Mathematik-Professor beharrte trotz der Millionenverluste der HSH auf seinen Bonuszahlungen und eine Abfindung. Wird er rechtskräftig verurteilt, fordert die Bank die Abfindung zurück. Viele der Ereignisse, die nun im Fokus stehen, fallen allerdings in die Zeit bevor Nonnenmacher im Herbst 2008 an die Vorstandsspitze rückte.

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  • Bei den hier relevanten Omega 52 und Omega 55-Transaktionen handelte es sich um strukturierte Kreditderivate, teilweise in verbriefter und teilweise in unverbriefter Form. Die zentrale Frage wird sein, ob die HSH überhaupt die erforderlichen Tools hatte, um die daraus resultierenden Risiken (insb. Marktpreisrisiken, Ausfallrisiken der zugrunde liegenden Assets etc.) laufend zu monitoren. Ich bezweifele dass ernsthaft bei einer Spardose wie der HSH. Habe ähnliches bei der Eurohypo und ihrem Total Return Swap-Debakel auf US Munis geprüft. Nur schockierend, wie blauäugig die Akteure und Kontrolleure waren. Ein Risikomanagement, das nichts von den Geschäften verstand, Risikomodelle für derartige Produkte entweder nicht existent oder mit fehlerhaften/falschen Spezifizierungen etc. Das kommt davon, wenn deutsche Spardosenfuzzis smarter als global agierende Investmentbanker sein wollen.

  • Nonnenmacher betreffend kann ich ihnen nicht widersprechen, da mir auch gegenteilige Informationen Fehlentscheidung hoffe, die Richter finden es heraus; allerdings frage ich mich bei der immerwährenden Diskussion: was ist den angemessen?
    Wenn man anscheinend nach oben doch eine Grenze "objektiv" nennen kann, muss es auch das "angemessen" geben.
    Ich würde gern einen Vorschlag einbringen: Angemessen ist, wenn, ohne anderen (z. b. durch Zockerei) Schaden zuzufügen, dem vertretenen Unternehmen ein Vielfaches an Vorteil entstanden ist, und wenn alle Leistungserbringer des Unternehmens ebenfalls durch ihre Leistung partizipieren. Eine Obergrenze ist m. E. nicht von Nöten.
    Michael Liskow, Versicherungsmakler

  • Betrachte ich den Werdegang von Dr. No, dann frage ich mich wie der auf diesen Platz kommen konnte. Das betrifft einmal die Geschäftsleitererlaubnis seitens der BAFin, aber auch die Personalauswahl durch Herrn Kopper.

    Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Herr Kopper uninformiert war. Geht man davon aus, dass er in seiner aktiven Zeit auch nicht "zimperlich" war - wir erinnern uns an .... -, dann stellt sich die Frage, ob Dr. No nicht der Hampelmann in dessen Händen war.

    Gehen wir weiter zurück und fragen wer denn im Norden so plötzlich bei Herrn Kopper den plötzlichen Charakterwandel zur Gemeinnützigkeit entdeckte?

    Ist hier nicht die Reihe der Angeklagten unvollständig besetzt?

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