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28.07.2008 
Ratingagenturen

Prüfer auf dem Prüfstand

von Andrea Cünnen

"Warum erst jetzt, warum erst jetzt?" Diesen Satz mussten sich Ratingagenturen bei Herabstufungen von Anleihen, die mit Hypotheken der Kategorie Subprime unterlegt waren, in jüngster Vergangenheit häufig anhören. Doch nun sind die Zeiten der Selbstregulierung vorbei. Die US-Börsenaufsicht SEC hat die Bonitätswächter unter ihre Aufsicht gestellt.

FRANKFURT. Steven Hooker will sich gar nicht beruhigen. Die Erregung ist dem Portfoliomanager des zu Morgan Stanley gehörenden Hedge-Fonds Frontpoint Partners in der Telefonkonferenz der Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) am 10. Juli 2007 anzuhören. Kurz vorher hatte S&P angekündigt, mit Ramschhypotheken der Kategorie "Subprime" unterlegte Anleihen im Volumen von über zwölf Mrd. Dollar herabzustufen. Viele der Papiere hatten mit der Höchstnote "AAA" eine Top-Bonität. Dabei hatte der Wertverfall der Bonds schon damals zwei Hedge-Fonds der US-Investmentbank Bear Stearns fast in die Pleite getrieben und reihenweise auf die Subprime-Klientel spezialisierte US-Baufinanzierer in die Knie gezwungen.

Inzwischen hat allein S&P Bonds, in denen Subprime-Kredite verbrieft und verpackt wurden, im Wert von gut 680 Mrd. Dollar herabgestuft. Bei Moody?s und Fitch dürften die Dimensionen ähnlich sein. Banken hat die Subprime-Krise Abschreibungen von weltweit knapp 470 Mrd. Dollar beschert, und vor allem die US-Konjunktur ist in der Post-Subprime-Ära ins Schlingern geraten.

Die Ratingagenturen mussten sich bei Herabstufungen schon oft die Frage "Warum erst jetzt?" anhören - etwa bei der Asien-Krise 1997/98 oder der Pleite des Energiehändlers Enron 2001. Damals kamen sie aber mit einem blauen Auge davon, sprich mit viel Schelte, einem etwas angekratztem Ruf und einem freiwilligen Verhaltenskodex. In diesem Kodex, den die Organisation der Internationalen Wertpapieraufsichtsbehörde (Iosco) aufstellte, verpflichteten sich die Agenturen zu mehr Transparenz und Sorgfalt.

Jetzt sind aber die Zeiten der Selbstregulierung vorbei. Die US-Börsenaufsicht SEC hat die Bonitätswächter im September unter ihre Aufsicht gestellt. Künftig müssen sich die Agenturen voraussichtlich zudem bei CESR, dem Zusammenschluss der europäischen Aufseher, registrieren lassen. Die Aufsicht soll kontrollieren, dass die Agenturen den im Mai verschärften Iosco-Kodex einhalten.

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