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11.02.2008 

GIC ist anders. Bislang wirkte der Fonds strikt im Verborgenen. Er streute seine Investments über viele Firmen in aller Welt und beließ es bei Anteilen von unter einem halben Prozent. Den Einstieg bei UBS und Citigroup erklärte sein operativer Chef Tony Tan kürzlich als "außerordentlichen Umständen" geschuldete Ausnahme. Er beteuert, GIC bleibe seinem Ansatz treu: Man sei weder ein strategischer Investor noch politisch motiviert und strebe keinerlei Einfluss aufs Management der Banken an.

Kritiker stoßen sich an der personellen Verquickung von politischer und wirtschaftlicher Macht in dem autoritär regierten Zwergstaat, die GIC mit versinnbildlicht. Die Ämterhäufung geht Hand in Hand mit einer Verschwiegenheit, gegen die jede Schweizer Privatbank schwatzhaft scheint. Sogar um GICs wahres Vermögen ranken sich Gerüchte: Offiziell sind es über 100 Mrd. Dollar. Manche Banker munkeln vom Doppelten oder gar Dreifachen. Ratingagenturen und der IMF fordern seit langem mehr Transparenz. "Das ist unser Geld, wir wissen wie wir damit umgehen müssen", entgegnete Lee Senior. Es gebe genügend interne Kontrollen. Immerhin gab der Fonds vor zwei Jahren kurz Einblick in seine Performance: Inflationsbereinigt wurde sein Kapital in den vergangenen 25 Jahren mit 5,3 Prozent pro Jahr verzinst.

Seit er im Rampenlicht der internationalen Medien steht, ringt sich GIC weitere Informationen ab. Singapur verstehe westliche Sorgen über Staatsfonds und werde auf diese mit mehr Transparenz reagieren, versprach Tony Tan in der "Straits Times". Tan unterstreicht, dass die Finanzkraft seines Fonds für die Rettung einer weiteren Bank reicht und bekräftigt: "Wir sehen uns jeden Deal an, der an uns herangetragen wird."

Temasek hegt bereits seit Jahren eine auffällige Vorliebe für Banken: Auf den Sektor entfällt mit 38 Prozent der Löwenanteil aller Investments. Die Gesellschaft kontrolliert neben der heimischen DBS-Gruppe mit Danamon und BII zwei indonesische Institute und hält 19 Prozent an Standard Chartered. An Südkoreas Hana, Indiens ICICI, der Bank of China und der China Construction Bank ist sie mit großen Minderheitsanteilen beteiligt.

Für Kenner der Stadt ist dies kein Zufall. Denn der Zwergstaat ohne Ressourcen sucht sein Heil als Finanzzentrum. Ein enges Netz zwischen seinen Institutionen und ausländischen Banken kann dabei nur helfen. Vor allem richtet Singapur seine rigorose Wirtschaftsplanung darauf aus, der Schweiz den Rang als Nummer eins im Private Banking streitig zu machen. Mit Erfolg: Nirgends wachsen Vermögensverwalter wie UBS schneller. "An einem führenden Vertreter der Branche maßgeblich beteiligt zu sein, passt in Singapurs wirtschaftspolitischen Masterplan", meint ein dort ansässiger Unternehmensberater.

Interessenskonflikte sind damit nicht unbedingt programmiert. UBS und Citigroup könnten von dem neuen Miteigentümer durchaus profitieren - falls GIC aus Temaseks Fehlern lernt. Angesichts der Rückschläge hat die Gesellschaft kürzlich eine neue Strategie angekündigt, die so sanft wie vage klingt: Mehrheitsbeteiligungen an "ikonischen" Firmen werden künftig vermieden, genauso wie Investments, die "emotionelle Reaktionen" auslösen.

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