Regionalbanken: Die Krise der Musterschüler

Regionalbanken
Die Krise der Musterschüler

Sparkassen und Volksbanken – sie haben viele Jahre Vieles richtig gemacht. Doch jetzt kommt eine bankeneigene Studie zu einem anderen Ergebnis: Die Niedrigzinsen fordern Tribut. Politik und Aufsicht sind alarmiert.
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Frankfurt am Main/DüsseldorfSie gelten als die Gewinner der Finanzkrise: die deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Ihr eher beschauliches Geschäft mit Krediten und Spareinlagen unterschied sich wohltuend von Ramschhypotheken und anderen prekären Finanzprodukten, mit denen private Großbanken die Weltwirtschaft an den Abgrund brachten. Doch möglicherweise ist auch diese Einschätzung überholt.

Eine aktuelle Studie, die von den Regionalbanken selbst angeregt worden ist, kommt jedenfalls zu einem niederschmetternden Ergebnis: Sparkassen und Volksbanken steuern auf eine dicke Krise zu. Das Thema ist so brisant, dass sich inzwischen schon die Finanzaufsicht eingehend damit beschäftigt.

Ausgerechnet Maßnahmen, die die Finanzkrise eindämmen sollen, drohen den deutschen Regionalbanken zum Verhängnis zu werden: schärfere Regulierungsvorschriften und dauerhaft niedrige Zinsen. Das zeigt die Studie, die eine Gruppe von Sparkassen und Volksbanken bei Wirtschaftsprofessor Bernd Nolte, Chef der Beratungsfirma 4P Consulting, hat erarbeiten lassen. In der Untersuchung aus dem vergangenen Monat, die Handelsblatt Online vorliegt, wird vor einer „deutschen Regionalbankenkrise“ gewarnt. „Die Gruppe der deutschen Regionalbanken steht vor einem existenzbedrohenden Ertrags- und Kostenproblem“, heißt es in der Untersuchung, die die Banken selbst bisher wohlweislich nicht veröffentlicht hatten.

Es sind vier Trends, die dieser Gruppe der Banken zu schaffen machen. Erstens steigt der Preisdruck. Ausländische Direktbanken arbeiten mit deutschen Onlinefilialen erheblich günstiger, als die öffentlich-rechtlichen Banken, die schon vom Gesetz her gezwungen sind, mit mehr Personal vor Ort zur Verfügung zu stehen. Zweitens treffen die kleinen Regionalbanken die immer strengeren Regeln in der Finanzbranche besonders hart, weil sie im Verhältnis zu ihrer Größe mehr Aufwand betreiben müssen, um sie zu erfüllen.

Drittens können auslaufende Eigenanlagen der Banken nur zu geringengeren Zinsen angelegt und Darlehen an Kunden zu niedrigeren Zinssätzen vermittelt werden, weil die Zentralbanken keine Anstalten machen, ihre Niedrigzinspolitik zu ändern. Dadurch sinken die Margen. Schließlich führen die niedrigen Zinsen dazu, dass Kunden ihr Geld nur kurzfristig anlegen, um bei einem Zinsanstieg schnell umschichten zu können. Vergibt die Bank ein Darlehen, verlangen Kunden dagegen lange Laufzeiten eben gerade wegen der günstigen Zinsen. In diesem Mix fällt es den kleinen Banken schwer, noch so viel Geld zu verdienen, dass ihre Anteilseigner – oft die Kommunen – noch etwas verdienen.

Nolte und sein Team haben vor diesem Hintergrund die Ertragslage von 300 Sparkassen und Volksbanken unter die Lupe genommen und ausgerechnet: Während das Verhältnis von Aufwand und Ertrag im Jahr 2013 nur bei 35 Prozent aller Regionalbanken im „wettbewerbsgefährdeten Bereich“ lag, werden 2018 schon 65 Prozent aller Sparkassen und Volksbanken in ihrer Wettbewerbsfähigkeit gefährdet sein – wenn die Institute nicht gegensteuern.

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  • Es wird hier aber auch von vielen übersehen, dass viele Volksbanken uns Sparkassen die Lage schon von Jahren erkannt haben und den Entwicklungen entgegenwirken. Viele Volksbanken meistern schon über 140 Jahren alle Veränderungen.

    Sicherlich wurden im Bereich des Internets das Tempo unterschätzt. Mittlerweile holen die Regionalbanken in großen Schritten auf. Manche Banken haben hier mittlerweile Lösungen auf den Markt gebracht, die globale Player nicht haben. Die Zukunft wird wohl eher in einer Kombination zwischen Präsenz-, Beratunges- und Internetbank vor Ort liegen.

    Es ist zu erwarten dass durch Fusionen größere Einheiten entstehen. Grundsätzlich ist mir als Volksbanker nicht Bange um unsere Gruppe. Denn die täglichen Erfahrungen beweisen mir dass wir gebraucht werden. Und auch jetzt gibt es Volksbanken und Sparkassen die immer noch sehr gut verdienen. Wie immer gibt es hier gute Banken und schwache Banken, dass war aber auch schon vor der Finanzmarktkrise.

    Und hätte man den Markt während Finanzmarktkrise nicht reguliert und unseriöse Banken nicht gestützt dann gäbe es in Deutschland fast nur noch Sparkassen und Volksbanken.

  • Die Naivität bezüglich Volksbanken und Sparkassen schlägt dem Fass den Boden aus. Nahezu alle Landeszentralbanken, die Dachinstitute der Sparkassen mussten mit Milliarden gerettet werden. Die LBBW hängt noch immer am Tropf, die Bayerische Landesbank mit ihrem Alpe Adria Engagement habe ich bereits erwähnt. Die DG Bank macht einen sehr großen Anteil ihres Gewinnes mit Derivatgeschäften und dann blubbert hier jeder von der Volksbank um die Ecke. In Oberschwaben hat es vor Jahren eine Volksbank sauber zerlegt und marode Sparkassen werden dezent über den Sparkassenfond gerettet.Dann wird eine Bewertungsreserve bis zum Anschlag in Anspruch genommen....
    Nicht alle Volksbanken oder Sparkassen haben unfähige Berater, aber wenn mir ein Riestervertrag von einer Voba verkauft wird, die in 5 Jahren im Schnitt 1,5% Rendite erbringt und dafür noch 0,5% Verwaltungsgebühr abgezweigt werden, dann ist das eine Frechheit, was ich der dortigen Kundenbetreuung auch klar zum Ausdruck gebracht habe. Worin bitteschön liegt die Kompetenz, wenn man dem Kunden nur Aktienfonds aktiv anbietet und über ein lahmes Onlineportal verfügt, bei dem Buchungen über Nacht aktualisiert werden müssen. Beim Girokonto wird dann auch zugelangt (= "marktübliche Konditionen", wenn man das mit einer Kundenkreditbank vergleicht). Natürlich gibt es auch bei Volksbanken/Sparkassen engagierte Mitarbeiter, die sich selbst eine hohe Kompetenz erarbeitet haben, aber das System lässt diesen Angestellten keine großen Spielräume. Verschwörungstheorien muss hier niemand bemühen.

    PS: Wenn H. Draghi sich an die Vorschläge der Bundesbank gehalten hätte, dann gäbe es bereits keinen Euro mehr. Unser Land muss je 1% Zinserhöhung 20 Mrd. mehr Zinsen bezahlen, bei 2 Bio. Staatsschulden.

  • ...Genossenschaftsbanken hebeln nichts via PC. Das kann ich Ihnen aus Erfahrung bestätigen. Schauen Sie sich einfach mal eine Bilanz einer Genossenschaftsbank an, dann werden Sie es erkennen.

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