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26.06.2008 
Wettbewerb

Regionalbörsen kämpfen um Existenz

von Rolf Benders

Der Wettbewerb zwischen der Deutschen Börse und den neuen Handelsplattformen der Investmentbanken setzt auch den deutschen Regionalbörsen zu. Bedroht sind vor allem die Nischenanbieter aus der Provinz. Neben sinkenden Umsätzen kommen auf die Regionalanbieter nun auch steigende Kosten zu. Wie die Regionalbörsen die Flucht nach vorne antreten.

Die Stuttgarter Börse ist neben Frankfurt die einzige, die sich noch ein Handelsparkett leistet. Foto: apLupe

Die Stuttgarter Börse ist neben Frankfurt die einzige, die sich noch ein Handelsparkett leistet. Foto: ap

FRANKFURT. Erstmals bekannte gestern der Vorstand der Berliner Börse, Artur Fischer, dass einige der Nischenabieter um ihre Existenz kämpfen. „Das bisschen Geschäft, dass wir bislang hatten, kam mehr per Zufall rein“, sagte Fischer. Operativ habe man regelmäßig eine Million Euro Verlust gemacht. „Unsere Vermögenswerte haben uns immer über Wasser gehalten“, beschrieb er das Überlebenskonzept der ehemals stolzen Hauptstadtbörse. Den übrigen vier Regionalbörsen geht es kaum anders. Sie versuchen irgendwie, dem Schicksal der Bremer zu entgehen, die 2007 endgültig den Betrieb einstellten.

Die Deutsche Börse kämpft derzeit aus zwei Gründen mit härteren Bandagen gegen die Konkurrenz aus der Provinz. Sie spürt den heißen Atem der neuen, von Investmentbanken gegründeten Plattformen wie Turquoise oder Chi-X im Nacken, die mit Dumpinggebühren um Order kämpfen. Mit der Unterstützung der Großbanken hat Chi-X in wenigen Monaten nennenswert an Marktanteil gewonnen. Turquoise startet im Herbst. Diese neuen Projekte gehen zulasten Frankfurts und treffen auch die Provinz. Zudem sitzen der Deutschen Börse Großaktionäre – vor allem Hedge-Fonds – im Nacken, die auf Sparmaßnahmen drängen. Und das bedroht auch die Kleinbörsen. In Finanzkreisen ist zu hören, dass Frankfurt nicht mehr das Gros der Kosten für das gemeinsame Parketthandelssystem Xontro tragen will. Auf einer Sitzung vergangene Woche wurde bereits über eine Neuverteilung verhandelt. Neben sinkenden Umsätzen kommen auf die Regionalanbieter nun also auch steigende Kosten zu. „Auf Dauer kann dieser Druck von zwei Seiten den einen oder anderen aus dem Markt drücken“, sagte ein Börsenvorstand, der namentlich nicht genannt werden wollte.

Die Berliner Börse tritt nun die Flucht nach vorne an. Es heißt, dass sie rund 20 Mill. Euro und damit praktisch ihre gesamten Rücklagen in die europäische Handelsplattform Equiduct gesteckt habe. Fischer sagt offen, dass dies die letzte Chance der Hauptstädter sei. Die ersten Geschäfte auf Equiduct erwartet er für Anfang 2009. Derzeit verhandele er mit 21 Banken als Marktteilnehmer. Durchhalten könne man „mindestens 18 Monate“.

In Düsseldorf musste man jüngst einen drastischen Gewinnrückgang verkraften. Die Unterlagen der jüngsten Hauptversammlung zeigen einen Rückgang auf 16 Mill. Euro im Jahr 2007 von gut 40 Mill. Euro in den beiden Vorjahren. Trotzdem stehe beim operativen Ergebnis „vorne eine schwarze Zahl“, sagte Vorstandschef Dirk Elberskirch. Unter Druck kommen könnten die Einnahmen demnächst aber, weil die Deutsche Börse kein Geld mehr zu verschenken hat. Bislang erhält Düsseldorf aufgrund alter Verträge noch Anteile an den Einnahmen des elektronischen Handelssystems Xetra. Diese Vereinbarung haben die Frankfurter 2007 aber gekündigt.

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