Regulierung: Bankenaufseher kritisieren interne Risikomodelle

Regulierung
Bankenaufseher kritisieren interne Risikomodelle

Die Kontrolleure sind unzufrieden darüber, wie Banken ihre Risiken bemessen. Die EZB will die Institute strenger überwachen. Denn wenn Banken Gefahren unterschätzen, fehlt es im Ernstfall an Risikopuffer.
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FrankfurtWir riskant ist ein Kredit? Je nachdem, welche Bank man fragt, können da höchst unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Seit Jahren reden Bankenaufseher davon, den Wildwuchs eindämmen zu wollen. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) will den Worten nun Taten folgen lassen. „In den nächsten drei Jahren wollen wir diese internen Modelle gezielt überprüfen, um sicherzustellen, dass die Modelle konsistente Ergebnisse liefern und ungerechtfertigte Unterschiede bei der Kalkulation einzuschränken“, sagte die für Bankenaufsicht zuständige EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger am Dienstag auf der Branchenkonferenz „Euro Finance Week“.

Lautenschläger greift damit ein international heiß diskutiertes Thema auf: Auch bei den laufenden Verhandlungen über strengere Vorschriften für Banken sind diese internen Risikomodelle ein umstrittenes Thema. Das liegt daran, dass diese internen Modelle wesentlich mitbestimmten, wie dick die Kapitaldecke einer Bank sein muss. Grundsätzlich gilt: Je gefährlicher das Kreditportfolio eines Instituts, desto mehr Eigenkapital verlangen die Bankenaufseher als Risikopuffer. Eine Bank, die ihre Risiken kleinrechnet, spart in guten Zeiten teures Kapital – und kippt in schlechten Zeiten umso schneller um. Im Zweifel zulasten des Steuerzahlers.

In der Finanzkrise hatte sich gezeigt, dass die Banken bestimmte Gefahren massiv unterschätzt hatten, und dass es insgesamt sehr viele Unterschiede bei deren Berechnung gibt. „Die Investoren haben das Vertrauen in die Modelle verloren“, warnte Andrea Enria, der Präsident der Bankenaufsicht der Europäischen Union, der in London ansässigen EBA. „Es gibt da ein Problem, das behoben werden muss“, sagte Enria.

Verschiedene Untersuchungen von internationalen Regulierungsgremien hätten gezeigt, dass es nicht nur Unterschiede bei den Banken und ihren Modellen geben würden, sondern dass auch die Bankenaufseher unterschiedlich mit den Modellen umgehen würden, und es selbst Unterschiede bei der Genehmigung von Modellen existieren würden. All das trägt zu den großen Unterschieden bei.

Um für mehr Einheitlichkeit zu sorgen, will die EZB nun schon unmittelbar mit der Überprüfung der internen Modelle beginnen. Sie will schon auf Basis der aktuellen Regeln einen kritischen Blick auf die bestehenden Modelle werfen. Allein 2017 will die EZB Lautenschläger zufolge mehr als 100 Prüfungen durchführen, jede einzelne soll drei bis vier Modelle abdecken. „Unsere Überprüfung ist natürlich ein riesiges Projekt“, so Lautenschläger. „Aber die Vorteile werden vergleichbar groß sein.“

Diese Arbeiten sind nötig, um verlorenes Vertrauen bei den Investoren wiederzugewinnen. „Wenn das Problem nicht behoben wird, fehlt es an Legitimität“, warnt Enria. Der Wildwuchs der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass mittlerweile auch der Baseler Ausschuss an strengen Leitplanken für die Anwendung solcher Risikomethoden arbeitet. Der Baseler Bankenausschuss ist ein internationales Gremium, in dem Regulierer und Aufseher aus 27 Ländern sitzen. Vor allem die USA machen sich dort gerade für Einschränkungen bei internen Modellen stark. Deren Vorschläge gehen den Europäern allerdings zu weit. So weit, dass der Präsident der deutschen Bankenaufsicht Bafin, Felix Hufeld, bereits mit einem Scheitern der Reform drohte. Denn für europäische Banken würde der Kapitalbedarf sprunghaft ansteigen.

EBA-Präsident Enria ist alles in allem aber optimistisch. „Wir haben viele Fortschritte gemacht“, sagte Enria auf der Veranstaltung. Auch EZB-Direktorin Lautenschläger macht sich für erfolgreiche Verhandlungen stark. Das Regelwerk solle bis Jahresende fertiggestellt werden – „und es sollte auf globaler Ebene finalisiert werden“, so Lautenschläger. „Das Bankgeschäft ist in den vergangenen Jahren ein globales Geschäft geworden, und Regulierung muss dem folgen, um Stabilität zu gewährleisten“, sagte sie.

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  • Zuviel ist zuviel! Die Bankenwelt wird sich noch viel massiver verändern.
    Guter Artikel. Einzig: es ist nicht der Baseler Ausschuss, sondern der
    "Basler Ausschuss". Sonst wärs dann auch der
    Münchener Fussballclub

  • "„In den nächsten drei Jahren wollen wir diese internen Modelle gezielt überprüfen, um sicherzustellen, dass die Modelle konsistente Ergebnisse liefern und ungerechtfertigte Unterschiede bei der Kalkulation einzuschränken“"


    Heißt übersetzt:

    "Wir wollen die totale Gleichschaltug des Bankensystems. Deswegen muß alles überwacht werden. Was "ungerechtfertigt" ist, entsheiden wir."

    Einfacher wär folgendes:

    Die EZB liefert höchsenns einen Rahmen bzw. Mindestanforderungen für Eigenkapital und einige andere Parameter, um die gröbsten verwerfungen im Finanzsystem zu verhindern.

    Was eine Bank in diesem Rahmen macht, entscheidet die Bank selbst.

    Wenn eine Bank zu risikoreich agiert und pleitegeht, wird sie grundsätzlich nicht gerettet, sondern muß andere Möglichkeiten der Rettung (z.B. Bankenverbund wie die Sparkassen) finden.

  • @Delli
    bleiben Sie doch bitte im "Panorama" Forum, da kennen Sie sich vielleicht aus.

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