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23.04.2008 
IKB reduziert Verlusterwartungen

„Reine Bilanztechnik“

Die Aktien der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB sind am Mittwoch deutlich gestiegen, nachdem die Bank ihre Verlusterwartungen für das laufende Geschäftsjahr reduziert hat. Auch nach Handelsstart konnten sich die Titel ein deutliches Plus bewahren. Das Kursfeuerwerk stößt allerdings nicht überall auf Verständnis.

Lupe

bas/pk/rob/HB BERLIN. Das Institut hatte am Dienstagabend mitgeteilt, es erwarte für das Geschäftsjahr 2007/08 einen deutlich niedrigeren Verlust als bislang. Der Vorstand gehe jetzt nach IFRS-Regeln von einem Konzernverlust von 200 Mill. Euro statt von 800 Mill. Euro aus, teilte die Bank am Dienstagabend mit. Diese Verringerung habe sich im Rahmen der noch laufenden Arbeiten zur Erstellung der Bilanz zum 31. März 2008 ergeben.

Die Abweichung zur bisherigen Prognose erkläre sich zum einen aus um 250 Mill. Euro erhöhten positiven Bewertungseffekten der Passiva von jetzt 1,5 Mrd. Euro nach passiven latenten Steuern. Zum anderen sei ein positiver Bewertungseffekt der Besserungsabreden von 350 Mill. Euro in der bisherigen Prognose nicht enthalten gewesen. Die Besserungsabreden sind ein Element der Kapitalverstärkung durch die KfW, die im Februar und März in Höhe von insgesamt 1,05 Mrd. Euro gewährt wurde. Die IKB kündigte an, ihre testierten Sechs-Monatszahlen 2007/08 am 29. April vorzulegen.

Nach der Mitteilung wurden die Papiere der IKB vorbörslichen mit einem Aufschlag von 24 Prozent gehandelt und lagen gegen 10 Uhr lagen die Titel noch bei knapp 14 Prozent im Plus und kosteten 4,67 pro Stück. Vor Ausbruch der Kreditkrise hatten die Papiere vor zwölf Monaten noch 30,70 Euro gekostet.

Das ist "reine Bilanztechnik", sagte Analyst Dirk Becker von Kepler Equities. "Es geht nicht darum, dass sich die Zahlen verbessert haben." Der Bank seien lediglich einige Schulden erlassen worden. Er verstehe deshalb nicht, warum die Aktie am Morgen um so viel fester taxiert worden sei. "Ich glaube nicht, dass die Aktie mehr als 2 Euro wert ist", sagte er. Becker bewertet die Aktie mit "Reduce".

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Finanzaufsicht sieht Anhaltspunkte für Insiderhandel bei IKB

Unterdessen hat die Finanzaufsicht BaFin Anhaltspunkte für Insiderhandel mit Aktien der IKB gefunden. Der Fall, bei dem es um eine einzelne Person gehe, sei an die Staatsanwaltschaft Frankfurt übergeben worden, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Mittwoch. Sie bestätigte damit einen Bericht des "Wall Street Journal". Bei der Staatsanwaltschaft war zunächst niemand erreichbar.

Die BaFin hatte untersucht, ob es vor der Ad-hoc-Mitteilung der IKB am 30. Juli zu Auffälligkeiten im Handel gekommen war. Die Düsseldorfer Bank hatte an dem Tag bekanntgegeben, dass sie wegen ihres Engagements am US-Hypothekenmarkt in Bonitätsnöte geraten war und von ihrer Hauptaktionärin KfW gestützt werden musste. Zehn Tage zuvor hatte die IKB noch mitgeteilt, das US-Engagement habe "praktisch keine Auswirkungen" auf sie.

Die IKB musste nach Fehlspekulationen am US-Hypothekenmarkt mit Milliardenhilfen des Staates und der Kreditwirtschaft vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Insgesamt gab es drei Rettungsaktionen im Gesamtumfang von rund 8,5 Mrd. Euro.

Kurz vor Abschluss der Gebotsfrist für den Verkauf der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB hat Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Zurückhaltung signalisiert. Der Bund habe kein Recht dazu, die IKB zu jedem Preis zu verkaufen, sagte Koch dem Handelsblatt. "Wenn die Gebote am Ende zeigen, das ist ein gutes Geschäft für alle, nur nicht für uns, dann müssen wir neu überlegen", sagte er. Koch ist Mitglied des KfW-Verwaltungsrats. Die staatseigene Förderbank sucht einen Käufer für ihren IKB-Anteil.

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