Die Hypothekenfinanzierer Fannie Mae
und Freddie Mac
sind am angeschlagenen Finanzmarkt ganz besondere Sorgenkinder. Ein Niedergang der beiden Institute hätte unabsehbare Folgen für die Immobilienbranche - und sogar die Weltwirtschaft. Ein Problem, das auch die US-Regierung erkannt hat.
Fannie Mae und Freddie Mac stehen offenbar vor der Rettung durch die US-Regierung - dies ist jedoch mit einer Übernahme der Institute verbunden. Foto: Reuters
HB WASHINGTON. Die US-Regierung könnte sehr bald die Kontrolle über die angeschlagenen börsennotierten Hypothekenverleiher Fannie Mae
und Freddie Mac
übernehmen. So soll ein Zusammenbruch des amerikanischen Kreditmarkts vermieden werden. Das Vorhaben dürfte die größte Rettungsaktion im Finanzsektor in der US-Geschichte sein. Der Vorsitzende des Finanzausschusses des Repräsentantenhauses, Barney Frank, sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag, dass er auch nach Gesprächen mit Finanzminister Henry Paulson noch nicht sämtliche Einzelheiten des Plans kenne. Die US-Regierung wolle zunächst als neuer Verwalter der beiden halbstaatlichen Institute auftreten und sie stabilisieren. Die zwei Banken sollen aber weiter ihre Aufgaben am Immobilienmarkt erfüllen. Die Ankündigung des Plans wurde für Sonntag erwartet.
Das Rettungspaket für die beiden Hypothekenbanken dürfte nach Einschätzung des US-Politikers den Aktionären allerdings finanziell schaden. "Ich denke, dass alle Aktionäre dabei benachteiligt werden", fügte Frank hinzu. Die Aktien der beiden Institute waren am Freitag nach Medienberichten über eine drohende Verstaatlichung im nachbörslichen Handel um jeweils rund 20 Prozent abgestürzt. Schon in den vergangenen Wochen hatte es Spekulationen an den Märkten gegeben, dass Fannie Mae
nach heftigen Milliardenverlusten vom Staat gerettet werden müsse. Aktionäre befürchten, dass ihre Anteilsscheine durch einen staatlichen Aufkauf praktisch wertlos werden könnten. Der Börsenwert der Gesellschaften ist seit Beginn der Kreditkrise vor rund einem Jahr um jeweils mehr als 90 Prozent eingebrochen.
Fannie Mae
und das kleinere Schwesterunternehmen Freddie Mac
garantieren direkt oder indirekt knapp die Hälfte der US-Hypotheken im Gesamtwert von zwölf Billionen Dollar. Ihr Bankrott könnte den völligen Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft bedeuten. Ende Juli hatte der US-Senat ein Gesetzespaket zur Bekämpfung der Hypothekenkrise verabschiedet. Dies erlaubt dem Finanzministerium, Fannie und Freddie Kredite in nicht genannter Höhe zu gewähren und sich an den beiden Firmen zu beteiligen, sollten sie in Schwierigkeiten geraten.
In einem separaten Interview mit der "Washington Post" sagte Frank, dass die Regierung die Kontrolle über die Unternehmen mindestens für ein Jahr übernehmen wolle. In diesem Zeitraum wolle sie überlegen, ob die Finanzierer staatlich bleiben oder restrukturiert werden sollen.
In Kreisen hieß es, dass die Direktoriumsmitglieder beider Häuser den Regierungsplan am Samstag beraten wollten. Mehrere Zeitungen hatten am Freitagabend berichtet, dass das Management der beiden Banken abgesetzt werden soll.
Inzwischen ist in den USA bereits die elfte Bank in diesem Jahr der Krise auf dem Immobilien- und Kreditmarkt zum Opfer gefallen. Die Behörden schlossen am Freitag die Silver State Bank aus dem US-Bundesstaat Nevada mit Einlagen von fast zwei Milliarden Dollar.

