Rückstellungen: Zinswetten werden für Barclays bodenloses Fass

Rückstellungen
Zinswetten werden für Barclays bodenloses Fass

Die britische Großbank Barclays muss für den Verkauf komplexer Zinswetten noch mehr zahlen als gedacht. Die Bank hat ihre Rückstellungen nun fast verdoppelt. Zudem stehen Schadensersatzklagen vor der Tür.
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LondonDie britische Großbank Barclays kann die Sünden der Vergangenheit nicht so schnell abschütteln. Für Rechtsstreitigkeiten musste das Institut jetzt noch einmal eine Milliarde Pfund (knapp 1,2 Milliarden Euro) zur Seite legen. Dabei geht es um den Verkauf komplexer Zinsprodukte und sogenannter Restschuldversicherungen an Personen, die diese gar nicht benötigten.

Zusammen belaufen sich die Rückstellungen hierfür mittlerweile auf knapp 3,5 Milliarden Pfund, was das Jahresergebnis 2012 verhagelt haben dürfte. Zudem waren Barclays-Händler am Skandal um die Manipulation von Referenzzinssätzen beteiligt. Das Institut musste deswegen bereits knapp eine halbe Milliarde Dollar zahlen.

Die neue Bankführung versprach vor einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments am Dienstag, dass sich die Kultur ändern werde. "Wir haben unsere Lektion gelernt und werden anders werden", erklärte Chairman David Walker. Doch die Abgeordneten bleiben skeptisch: "Egal um welchen Skandal es geht, Barclays hat da offenbar immer die Finger drin - und zwar ganz schön tief", sagte Andrew Tyrie, der dem Ausschuss vorsitzt.

Um Kritiker zu überzeugen, hat der neue Bankchef Antony Jenkins angekündigt, für 2012 auf seinen Bonus zu verzichten. Er kommt aus dem Privatkundengeschäft und wurde im August Nachfolger des Investmentbankers Bob Diamond. Dieser war über den Zinsskandal gestolpert. Der Bonus-Pool für 2012 werde geringer ausfallen, versprach Jenkins.

Auch die Deutsche Bank hat sich den Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Die für Boni zur Verfügung stehende Summe für 2012 ist um elf Prozent gesunken, allerdings nahm auch die Zahl der Mitarbeiter ab. Händler des größten deutschen Geldhauses sollen ebenfalls an dem Skandal um Zinsmanipulationen beteiligt gewesen sein. Die Prüfung der Ermittler dauert noch an.

In Großbritannien ist die Affäre um den Verkauf von Restschuldversicherungen derzeit noch größer. Die Banken mussten hierfür bereits zwölf Milliarden Pfund zurücklegen. Branchenkenner schätzen, dass sich die Summe noch verdoppeln könnte. Viele britische Institute haben die Versicherungen an Menschen verkauft, die gar keinen Bedarf oder Anspruch hatten. Die Beschwerdestellen registrieren mittlerweile rund 10.000 Anfragen von Betroffenen pro Woche. Hier zeichnet sich der kostspieligste Skandal wegen Falschberatung in der britischen Banken-Geschichte ab.

Bedeckt hielt sich Walker zu Vorwürfen bei der Finanzierung eines milliardenschweren Barclays-Rettungspakets des Golfstaats Katar in der Finanzkrise. Die Behörden untersuchen seit Juli, wie der Einstieg finanziert wurde. Nach einem Bericht der "Financial Times" gab Barclays Katar einen Kredit, um die Aktien des Instituts zu erwerben. Er könne das nicht kommentieren, sagte Walker auf entsprechende Fragen der Abgeordneten. Anders als die Konkurrenten Royal Bank of Scotland und Lloyds musste Barclays in der Krise keine Staatshilfe in Anspruch nehmen, stattdessen kaufte Katar einen Anteil.

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