Rückversicherer: Scor will sich Converium womöglich mit Gewalt einverleiben

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Scor will sich Converium womöglich mit Gewalt einverleiben

Der französische Rückversicherer Scor will womöglich durch eine feindliche Übernahme den Schweizer Konkurrenten Converium unter seine Kontrolle bringen. Das Ansinnen ist unter Experten umstritten, habe beide Unternehmen doch gerade erst schwere Krisen hinter sich.

oli/ali ZÜRICH. Die Franzosen haben durch Käufe von Aktien und Optionen in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben bereits knapp ein Drittel der Converium-Anteile gekauft. Die Schweizer Seite sagte am Montag, es liege nun ein öffentliches Übernahmeangebot vor. Die Franzosen dementierten: „Das ist noch nicht entschieden.“

In einigen Meldungen ist die Rede davon, das Scor 21 Franken pro Converium-Aktie zahlen wolle. Dies entspräche einem Aufschlag von 12,3 Prozent gegenüber dem Schlußkurs vom Freitag. Die Franzosen böten damit umgerechnet rund 2 Mrd. Euro für den Schweizer Konkurrenten. Da Scor noch nicht die Sperrminorität von 33,33 Prozent erworben hat, sondern mit 32,9 Prozent leicht darunter liegt, sind die Franzosen rechtlich nicht zu einer Offerte verpflichtet.

Converium wehrt sich gegen die Übernahme. Der Verwaltungsrat des Konzerns habe einstimmig gegen das Gebot gestimmt, teilte Converium am Montag mit. An der Börse wurde das Ansinnen von den Converium-Anlegern hingegen begrüßt. Der Kurs kletterte zur Eröffnung um 18,4 Prozent. Zu denen, die bereits an Scor verkauft haben, gehört der Schweizer Bankier Martin Ebner, der über seine Beteiligungsgesellschaft Patinex an Converium Anteile hielt.

Der Vorstoß von Scor kommt zu einem Zeitpunkt, da Fusionen und Akquisitionen im Versicherungssektor zunehmen. Die Unternehmen suchten nach externen Möglichkeiten der Expansion, nachdem sich das organische Wachstum an den Märkten in den USA und Europa zuletzt verlangsamt habe, hieß es aus der Branche. Im Rückversicherungsbereich hatte jüngst die Schweizer Swiss Re die Versicherungssparte von General Electric gekauft und ist dadurch zum größten Rückversicherer weltweit aufgestiegen.

Anlaysten bezeichnen dagegen die Größe von Converium, die sich seit einem empfindlichen Rückschlag vor zwei Jahren auf Nischengeschäfte wie Transportversicherungen konzentriert haben, als „subkritisch“. Aus dem Zusammenschluss ginge ein Konzern mit Prämien von jährlich rund 5,3 Mrd Euro hervor, der unter die Top 10 der Rückversicherer aufrücken würde. Die Liste wird derzeit nach der Swiss Re von der Münchener Rück und der Berkshire Hathaway Re angeführt.

Versicherer in der Krise

Scor und Converium haben beide eine Krise hinter sich. Scor hatte sich durch Zukäufe übernommen, Converium hatte hohe Rückstellungen für mögliche Schadensfälle in den USA bilden müssen. Beide Unternehmen waren von den Ratingagenturen zunächst herabgestuft worden. Scor erlangte jedoch inzwischen den für Rückversicherer wichtigen Investment-Grade zurück. Converium wartet noch auf eine Heraufstufung. Konzernchefin Inga Beale hatte bereits im vergangenen Jahr damit gerechnet. Kommt die bessere Rating-Note, dürfte der Unternehmenswert von Converium steigen. „Scor ist Converium in der Sanierung etwa zwei Jahre voraus“, sagt ein Großaktionär.

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