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26.03.2008 
Risikokapitalszene

Rückzug von 3i schwächt Risikokapitalangebot in Europa

von Dirk Heilmann

Der Pionier der europäischen Risikokapitalszene zieht sich aus dem Geschäft mit der Finanzierung von Unternehmensgründern zurück. Der Chef der Londoner 3i Group, Philip Yea, will den führenden börsennotierten Finanzinvestor auf profitablere Finanzierungen mittelgroßer Unternehmen konzentrieren. Experten sehen jeoch keine Engpässe für Jungunternehmer.

LONDON. Damit sinkt die Bedeutung von Venture-Capital auf dem europäischen Markt für privates Beteiligungskapital weiter. Experten sehen in dem Schritt eine folgerichtige Spezialisierung. Sie befürchten keine Kapitalengpässe für europäische Jungunternehmer.

Yea bezeichnete den Abschied aus dem Risikokapitalgeschäft als folgerichtige Weiterentwicklung der Investmentgruppe. 3i könne mehr Wert mit der Finanzierung reiferer Unternehmen schaffen, sagte er der "Financial Times". Die Stärke des Unternehmens sei, dass es eines der wenigen global aktiven Private-Equity-Firmen sei.

3i wurde 1945 gegründet, um Kapital für den Wiederaufbau der britischen Industrie bereitzustellen. Im New-Economy-Boom investierte die börsennotierte Investmentfirma massiv in junge Technologiefirmen. Durch den Kauf der Münchener Technologieholding wurde 3i in Deutschland zu einem führenden Risikokapitalgeber. Entsprechend sackte der Börsenwert ab, als die Internet-Blase platzte.

Heute ist 3i an der Londoner Börse 3,1 Mrd. Pfund (vier Mrd. Euro) wert. Das ist rund ein Drittel weniger als noch vor einem Jahr. In den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres (zum 31. März) hat 3i die Investitionen um 37 Prozent auf 1,8 Mrd. Pfund gesteigert. Davon entfielen 125 Mill. Pfund auf Venture-Capital.

Jörg Überla, General Partner des führenden Risikokapitalgebers Wellington Partners in München, sieht in Yeas Schritt kein Zeichen für eine Krise des Venture-Capital-Marktes. In den vergangenen zwanzig Jahren hätten Private-Equity-Fonds mit Management-Buyouts reifer Unternehmen höhere Renditen erzielt als mit dem Venture-Capital-Geschäft. "Insofern ist es verständlich, wenn Investoren, die beide Geschäfte betreiben, sich auf Buyouts konzentrieren", sagte er dem Handelsblatt. "Dort können sie mit gleichem Management-Aufwand ein größeres Rad drehen."

Ein anderer Branchenexperte weist darauf hin, dass Apax Partners schon vor Jahren einen ähnlichen Schritt wie 3i getan habe. Der Trend auf dem Beteiligungskapitalmarkt gehe zur Spezialisierung. Das bedeute aber nicht, dass es an Venture-Capital mangeln werde.

"In der Venture-Capital-Szene hat sich nach dem New-Economy-Crash eine Spitzengruppe paneuropäischer Gesellschaften herausgebildet, die gerade für junge IT-Unternehmen ähnliche Finanzierungsbedingungen wie in den USA gewährleisten", sagt Überla.

Allerdings sinkt in Europa der Anteil des Venture-Capital an den Gesamtinvestitionen der Finanzinvestoren beständig. 2007 fiel er nach Zahlen des Branchenverbandes EVCA von 31 auf 23 Prozent. Der Anteil der Investitionen in Fimengründer brach sogar von elf auf vier Prozent ein.

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