Rund 800 Millionen Euro: Commerzbank plant Kapitalerhöhung

Rund 800 Millionen EuroCommerzbank plant Kapitalerhöhung

Die Commerzbank plant eine Kapitalerhöhung – mit einem Volumen von bis zu 800 Millionen Euro. Das Institut schweigt, aber die Aktie verlor nach entsprechenden Berichten deutlich. Die Aktionäre sind Kummer gewohnt.
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FrankfurtDie Commerzbank bereitet einem Medienbericht zufolge eine Kapitalerhöhung vor. Das Institut habe die Konkurrenten Deutsche Bank und UBS mit der Vorbereitung des Schritts beauftragt, berichtet das "Manager Magazin" am Dienstag in einer Vorabmeldung. Frankfurter Finanzkreise bestätigten gegenüber Handelsblatt Online den Inhalt des Berichts, ein Sprecher der Commerzbank gab keinen Kommentar ab.

Das Volumen der Aktienplatzierung sei noch unklar. Als wahrscheinlich gelte eine Kapitalerhöhung von maximal zehn Prozent, was aktuell 700 bis 800 Millionen Euro einbringen könnte. Die Commerzbank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Die Commerzbank-Aktie drehte nach der Meldung ins Minus und verlor mehr als drei Prozent auf 1,39 Euro.

Dabei hatte der Börsentag für die Coba eigentlich gut begonnen. Die Märkte nahen die Pläne zum Ausverkauf bei der Krisentochter Eurohypo positiv auf und gaben dem Papier einen deutlichen Schub – die Commerzbank war unangefochtener Spitzenreiter im Dax. Denn Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus hatte Finanzkreisen zufolge ein Paket an Immobilienkrediten im Volumen von 5,7 Milliarden Euro (fünf Milliarden Pfund) ins Schaufenster gestellt.

Zu den Interessenten zählten neben den Finanzinvestoren Blackstone, Lone Star und Starwood Capital auch einige Banken, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Der Verkaufsprozess werde von Barclays gesteuert. Kommt er zum Abschluss, wäre es einer der größten Deals seit der Finanzkrise. Die Commerzbank hüllte sich dazu in Schweigen, die genannten Bieter ebenso.

Die Zuversicht der Anleger lässt sich leicht erklären: Erst wenn die Commerzbank die milliardenschweren Altlasten der Eurohypo - inzwischen umbenannt in Hypothekenbank Frankfurt - los ist, kann sie die Sanierung abschließen und wieder nachhaltige Gewinne einfahren. Denn seit der Finanzkrise brockte der Immobilien- und Staatsfinanzierer der Commerzbank immer neue Verluste und Abschreibungen auf faule Kredite und riskante Staatsanleihen ein.

Inzwischen ist die Abwicklung der früheren Eurohypo zwar beschlossen, nachdem sich der von der EU ursprünglich geforderte Verkauf als unmöglich erwiesen hatte. Die ungeliebte Tochter wurde in die konzerneigene "Bad Bank" geschoben, wo die Portfolios über die Zeit vorzugsweise über Fälligkeiten abgebaut werden sollen. Doch das dauert bei Hypothekendarlehen besonders lange. Gelänge der Verkauf des britischen Portfolios, würde das die Aufräumarbeiten erheblich beschleunigen.

Blackstone und Lone Star sind Private-Equity-Häuser, die auf Immobilien-Investments spezialisiert sind. Sie hatten zuletzt viel Geld bei Investoren eingesammelt und sind weltweit auf Einkaufstour. Wie die Insider berichteten, ist aber nicht klar, ob die Interessenten jeweils für das gesamte Eurohypo-Paket in Großbritannien bieten oder nur für Teile davon.
Tafelsilber oder Problempapiere?

Grundsätzlich dürfte das Portfolio attraktiv sein. Denn die Commerzbank hatte zeitweise sogar erwogen, die margenstarke gewerbliche Immobilienfinanzierung in den soliden Kernmärkten Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Polen fortzuführen. Doch die großvolumigen Kredite verschlingen viel Eigenkapital, das die Bank in Zeiten strengerer Regulierung nicht hat.

Laut einer Analystenpräsentation im November hat die Commerzbank in Großbritannien Hypotheken im Volumen von 6,8 Milliarden Euro ausgereicht, davon sind gerade einmal 1,1 Milliarden als ausfallgefährdet einzustufen. Der Londoner Büromarkt hat sich von der Krise ausgesprochen schnell erholt. Allerdings ist er insgesamt viel volatiler als etwa der Markt in Frankfurt. Die Commerzbank ordnet die Immobilienfinanzierung in Großbritannien deshalb in die gleiche Risikoklasse ein wie das schwächelnde Immobiliengeschäft in Spanien, wie sie im Februar erklärte.

Das Risiko dürfte am Ende ausschlaggebend dafür sein, welchen Preisabschlag die Bieter durchsetzen können. Größer als zehn bis 15 Prozent dürfte der Nachlass aber wohl nicht sein, schätzte einer der Insider.

In der Regel werden Kreditpakete nie zum Nominalwert verkauft. Die Frage ist vielmehr, wie viel Einbußen eine Bank in Kauf nimmt, um ihre Bilanz auszuputzen und Kapital freizusetzen. Viele Häuser gerade in Kontinentaleuropa hatten zuletzt noch gezögert, Kredite an opportunistische Fonds weiterzureichen, ließen sie lieber auslaufen und verzichteten einfach auf Anschlussfinanzierungen. Doch Branchenexperten gehen davon aus, dass 2013 mehr Schwung in den Markt kommt. Die Deutsche Bank etwa geht gerade mit neuem Elan den Verkauf verbriefter Wertpapiere aus der Zeit vor der Finanzkrise an.

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  • Na da wurden heute wieder viele K.O.Calls der unverbesserlichen Berufsoptimisten kassiert,das kann man sagen.Von fast 1,49 auf unter 1,38 in der Spitze,wow das nennt man Butter bei die Fische!

  • Man kann nur hoffen dass die institutionellen Investoren diese Kapitalerhöhung NICHT zeichnen und den Rücktritt vom Vorstand (Herr Blessing) und Aufsichtsrat (Herr Müller) verlangen. Zudem sollte nicht vergessen werden dass der Steuerzahler bei den letzten Kapitalerhöhungen der Commerzbank fünf Milliarden Euro Verlust eingefahren hat. Erinnern Sie sich noch an die 25% Beteiligung des deutschen Staates zu Euro 6,-- pro Aktie? Tja, aktuell nur noch 1,37 Euro pro Aktie Wert. Zahlen Herr Müller, Herr Blessing und EZB MItglied Herr Assmussen diesen Schaden ? Eher nicht...Dies sollte ein Fall für die Staatsanwaltschaft Frankfurt sein. Unglaublich wie nicht mal mittelklassige Manager wie Müller und Blessing seit Jahren nur von Kapitalerhöhungen leben und die Aktionaere melken. Die Bundeskanzlerin Merkel sollte Ihren CDU Parteikollegen und Commerzbank AR Chef Müller sofort feuern lassen.

  • Sehr geil-))

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