Der Multi-Milliardär Michail Prochorov steigt bei der Investmentbank Renaissance Capital ein. Für 500 Millionen Dollar erhält seine Holding Onexim 50 Prozent der Anteile minus eine Stammaktie - der Preis gilt nach starken Kursverlusten als "Schnäppchen".
MOSKAU. Als Folge der Finanzkrise kommt der russische Bankensektor in Bewegung. Gestern gab der Multi-Milliardär Michail Prochorow den Einstieg bei einer der führenden Investmentbanken des Landes, Renaissance Capital (Rencap), bekannt. Für 500 Mill. Dollar erhält Prochorows Onexim 50 Prozent der Anteile an der Bank minus eine Stimmaktie. "Die Spielregeln für Investmentbanken sind in den vergangenen Monaten neu geschrieben worden", kommentierte Stephen Jennings, Gründer und CEO von Renaissance Capital, den Einstieg Prochorows.
Im Januar 2007 hatte Jennings laut Wirtschaftszeitung "Wedomosti" ein Angebot der staatlichen VTB-Bank von rund vier Mrd. Dollar ausgeschlagen. Wenig später bewerteten westliche Finanzhäuser Rencap mit zehn Mrd. Dollar. Der Preis, mit dem Prochorow nun zum Zuge kommt gilt als "Schnäppchen".
In den vergangenen Wochen hatten die russischen Börsen einen rasanten Kursverfall erlebt, der vor allem die Finanztitel nach unten gezogen hat. Die Regierung konnte einen Kollaps des Marktes nur mit einem rund 100 Mrd. Dollar schweren Rettungspaket und der Unterbrechung des Handels aufhalten. Rencap gilt als einer der Marktführer in Russland. Rencap-Gründer Jennings betonte gestern, die Bank habe "keine Verluste, keine Abschreibungen, keine giftigen Verbindlichkeiten".
Analysten erwarten, dass die Finanzkrise in Russland mittelfristig zur Konsolidierung des zersplitterten und unterentwickelten russischen Bankensektors führen wird. Ähnlich wie nach der "kleinen Finanzkrise" 2004 dürften davon vor allem die staatlich kontrollierten Schwergewichte wie der Sberbank oder die VTB profitieren.
VTB steht nach einem Zeitungsbericht kurz vor Übernahme der Moskauer Svayz Bank, die offenbar keine staatlichen Mittel in der Krise erhalten hat. In der vergangenen Woche signalisierte auch die Investmentbank KIT, dass sie aufgrund finanzieller Schwierigkeiten einen Investor suche. Bereit stand schließlich Lider, eine Gesellschaft, die Pensionsfonds für den Gaskonzern Gazprom
managt. Den offenen finanziellen Verpflichtungen konnte KIT schließlich mit Hilfe der Gazprombank nachkommen.

