Der Rettungsplan für die SachsenLB ist angeblich nur unter der Bedingung zustande gekommen, dass sich die kleinste deutsche Landesbank einen Partner sucht. Zwei Kandidaten sollen bereits Stellung bezogen haben – ein weiteres Institut schließt wohl eine Doppelhochzeit nicht aus. Indes hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) als erstes Bonitätsbewertungs-Institut ihre Note für das angeschlagene Institut gesenkt.
HB FRANKFURT/DRESDEN/LEIPZIG. Für die Landesbank und ihre Investmenttochter SachsenLB Europe gelte nun das Rating „BBB+“ statt „A-“, teilte S&P am Montag mit. Die Landesbank musste im Zuge der Krise um zweitklassige Hypothekenkredite in den USA von der DekaBank und den anderen Landesbanken mit einem Kredit über 17,3 Mrd. Euro gestützt werden.
Die Ratingagenturen Moody's und Fitch hatten schon vorher angekündigt, ihre Rating-Einstufungen zu überdenken.
Der Druck auf die SachsenLB sei durch die Stützungsaktion kurzfristig gewachsen, begründete die S&P die Herabstufung. Das sei ein Rückschlag bei der Neupositionierung der Landesbank. Die Rendite der Landesbank werde durch die geänderte Finanzierung für die Zweckgesellschaft Ormond Quay zumindest 2007 sinken. Sie müsse ihr Liquiditätsmanagement anpassen.
Zunächst müsse die SachsenLB nun das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, deren Hunger auf komplexe strukturierte Produkte der Bank zunächst wohl mäßig bleiben werde, erklärte S&P-Analyst Bernd Ackermann. Das könnte deren Wachstumsperspektiven auf mittlere Sicht mindern.
Als nächster Schritt seien sowohl eine weitere Herabstufung als auch eine Hochstufung möglich. Letzteres wäre der Fall, wenn die SachsenLB beschleunigt neue Eigentümer erhalten würde, etwa im Zuge der Konsolidierung unter den Landesbanken. Wenn weitere, unerwartete Probleme auftauchten oder die Renditen so stark unter Druck gerieten, dass sich dies auf das Kapital der Bank auswirke, sei dagegen eine Herabstufung um ein bis zwei Stufen möglich.
Unterdessen bringt die Krise bei der SachsenLB bringt zusätzlichen Schwung in das Fusionskarussell im Landesbanken-Sektor. Finanzkreisen zufolge ist das vergangene Woche vereinbarte Rettungspaket für die sächsische Landesbank an die Bedingung geknüpft, dass die Eigentümer einen Partner für die Bank suchen. Neben der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sei auch die NordLB an der SachsenLB interessiert, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters am Montag. „Noch ist es aber viel zu früh, um konkrete Gespräche zu führen.“ Diese würden erst in ein paar Wochen beginnen. Die Bank müsse zunächst einmal stabilisiert werden. Die SachsenLB wollte sich nicht dazu äußern.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Schon lange ein heißer Übernahmekandidat
Das Interesse der NordLB sei „ernsthaft“, sagte die Person. Bereits vor einigen Wochen habe es erste Kontakte gegeben. Bei der LBBW habe zur Zeit zwar ein Zusammenschluss mit der WestLB Priorität. „Wenn sich später aber die Gelegenheit ergibt, die SachsenLB mit ins Boot zu nehmen, dann wäre das eine denkbare und gute Möglichkeit“, sagte ein anderer Insider. Die LBBW bemüht sich derzeit um ein Zusammengehen mit der Düsseldorfer WestLB, die ihrerseits wiederum an einem Einstieg bei der SachsenLB arbeitet. NordLB und LBBW lehnten einen Kommentar ab.
Die SachsenLB hatte vergangenen Freitag Probleme bei einer ihrer Fondsgesellschaften eingeräumt, die die Kreditwürdigkeit der ganzen Bank gefährdeten. Das Institut wurde wie die Mittelstandsbank IKB von den Turbulenzen am US-Hypothekenmarkt erfasst. Andere Landesbanken stützten die SachsenLB mit Kreditlinien von 17,3 Mrd. Euro. Rund ein Drittel davon kommt von der DekaBank, dem Fondsdienstleister der Sparkassen. Den Rest stellen Landesbanken unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Größe und Leistungsfähigkeit.
Der Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV), Claus-Friedrich Holtmann, sagte dem Radiosender „MDR Info“, die SachsenLB müsse sich einem „größeren Verbund“ anschließen. „Ich denke, dass sich die Landesbankenstruktur nachhaltig verändern muss.“ Die derzeitigen Turbulenzen zeigten, dass die öffentlich-rechtlichen Institute ihre Kräfte bündeln müssen. „Darüber wird in den nächsten Monaten zu sprechen sein.“
Die als finanzschwach geltende SachsenLB wird schon lange als Übernahmekandidat gehandelt. LBBW-Chef Siegfried Jaschinski hatte bereits im April Interesse an dem Institut gezeigt: „Wenn Fragen an uns gerichtet würden, werden wir uns nicht entziehen.“ Nach dem Willen von Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis soll es in Deutschland in ein paar Jahren nur noch zwei oder drei große Landesbanken statt der bisher acht Landesbanken-Konzerne geben. Ganz konkret wird zur Zeit an einem Zusammenschluss von LBBW und WestLB gearbeitet. Auch die Bundesregierung macht sich für Landesbankenfusionen stark.
Im Freistaat Sachsen baut sich politischer Druck auf die SachsenLB auf. Regierungschef Georg Milbradt und Finanzminister Horst Metz (beide CDU) müssten Rechenschaft ablegen über das „System organisierter Verantwortungslosigkeit“ bei der Bank, forderte Links-Fraktionschef Andre Hahn. Es seien unabsehbare Risiken und finanzielle Belastungen für den Steuerzahler entstanden. Ähnlich äußerte sich Sachsens Grünen-Fraktionschefin Antje Hermenau. Die Sachsen LB sei in jedem Fall zu risikobereit gewesen und habe sich total verhoben, sagte Hermenau zu Reuters.

