Sal. Oppenheim-Prozess: Geldadel auf der Anklagebank

Sal. Oppenheim-Prozess
Geldadel auf der Anklagebank

Im Mammut-Strafprozess beleuchtet die Justiz den Niedergang der Privatbank Sal. Oppenheim. Pferderennen, Yachten und Villen: Die Angeklagten schwelgten im Luxusleben – nun treffen sie auf eine zielstrebige Richterin.
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DüsseldorfSolide wirtschaften, nachhaltige Werte schaffen und über Generationen denken. Diese Wertvorstellungen dürfte die zweifache Mutter Sabine Grobecker wohl voll unterstützen. Doch die Schlagworte stammen ausgerechnet von einem der Männer, über den die Richterin am Kölner Landgericht urteilen soll: Matthias Graf von Krockow, ehemals Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des altehrwürdigen Bankhauses Sal. Oppenheim.

Bankchef von Krockow predigte inmitten der Finanzkrise und dem einsetzenden Vertrauensverlust in die Geldbranche die Rückkehr zu kaufmännischen Tugenden. Doch heute müssen sich er und vier andere Angeklagte vor der 16. Großen Strafkammer in Köln wegen Untreue im besonders schweren Fall und Beihilfe verantworten. In einem der größten Wirtschaftsstrafverfahren des Landes geht es zunächst um drei Immobiliengeschäfte und einen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe, den die einst größte Privatbank Europas erlitten haben soll.

Die Führung um von Krockow, Privatkundenchef Christopher Freiherr von Oppenheim, Risikomanager Friedrich Carl Janssen, Investment-Banking-Chef Dieter Pfundt sowie der Immobilienunternehmer Josef Esch, soll die Bank zum eigenen Nutzen ausgesaugt, Milliarden verzockt und das 1789 gegründete Institut in den Abgrund und damit in die Abhängigkeit des neuen Eigners Deutsche Bank getrieben haben. Doch im Grunde kommt vor der Kölner Strafkammer der gesamte Klüngel, der sich um die einst stolze Traditionsbank in Familienhand rankt, auf die Anklagebank.

Die Angeklagten und Anwälte sind bereits früh im Saal 210 des Landgerichts Köln. Der Andrang ist groß, rund 100 Pressevertreter umringen die Protagonisten. Während die Fotografen knipsen, geben sich von Krockow und Janssen kurz die Hand, es wird wenig geredet. Unternehmer Esch kommt erst kurz vor Beginn. Im Gericht prallen zwei Welten aufeinander: auf der einen Seite der Geldadel in Maßanzügen, der das anvertraute Geld auf Pferderennbahnen, Yachten und in Villen verplempert haben soll. Auf der anderen Seite die nüchterne deutsche Justiz in Person von Richterin Grobecker.

In 78 Prozessterminen bis zum 19. Dezember will die 50-Jährige in dem baufälligen Justizpalast an der Luxemburger Straße in Köln über zügelloses Handeln und die angebliche Verquickung privater und beruflicher Interessen in einer Bank urteilen, die mit Bedachtsamkeit und Verantwortung hausieren ging. Doch schon jetzt gilt unsicher, ob dieser Zeitplan zu halten sein wird.

Grobecker wird es nicht leicht haben, sich in der Verhandlung zu behaupten. Ihr gegenüber steht eine Riege erfahrener Wirtschaftsverteidiger wie der im Mannesmann-Prozess erprobte Eberhard Kempf sowie der Steuerstrafverteidiger von Boris Becker, Klaus Volk.

Kommentare zu "Geldadel auf der Anklagebank "

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  • Politiker sind NICHT NUR im Verschwenden von Steuergeldern viel schlimmer und sitzen nie auf der Anklagebank.

    @Ausbeuter: das hat mit den Israelis nichts zu tun. Geld verdirbt nun mal den Charakter und der ist bekanntlich bevölkerungsgruppenunabhängig. Da helfen auch keine Klischees geschweige denn rassistische Zuckungen.

  • @ Thompa
    Sie haben ja grundsätzlich Recht. Nur hat man mit der Strafverfolgung zu lange gewartet, so dass wir wieder vor der Erkenntnis stehen: „Den letzten beißen die Hunde“. Man würde also derzeit allenfalls die bestrafen, die als Opferlämmer zurückgelassen wurden. Die Lahmarschigkeit der Justiz und die Schlaftabletten, die sie sich von der Politik verabreichen lässt, machen doch die ganzen Sauereien erst möglich. Unsere Gesetze sind gut, aber wenn ein Gauner sich sicher sein kann, dass er über alle Berge ist, bevor man ihn jagt, wovor soll er dann zurückschrecken?

  • What are you smoking ??!!

  • Leider sind es immer die wenigen Ausnahmen, die eine gesamte Branche in Verruf bringen. Insofern bleibt nur zu wünschen, dass die Beteiligten einer 'gerechten' Strafe zugeführt werden. Ob da ein paar Jährchen (mehr wird's wieder mal nicht werden) ausreichen, darüber werden die Geschädigten wohl anderer Meinung sein.
    Es ist nicht populistisch, hier drakonische Strafen als abschreckende Maßnahme zu fordern. Irgendwann muss man mal wirklich damit anfangen, sonst hört dieser Irrsinn niemals auf.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Das genau wünsche ich mir seit dem Jahre 1999. Es muss zur Reinigung und zur Abschreckung für diese Finanzkraken, maximal harte Strafen eingeführt werden, die auch vollstreckt werden. Das es geht sieht man in Island.

    Ich fordere für Esch-Typen Lebenslänglich. Die Schuld dieser Menschen, ist mit einer normalen Strafe gar nicht zu sühnen.

    Ich wünsche mir aber auch sämtliche Politiker auf die Strafbank, die Deutschland systematisch zerstören. Von H. Schmidt angefangen über Kohl/Waigel /Schröder/Eichel/Steinbrück/Fischer/Schäuble/Merkel/Rössler/ Westerwelle uvm.

  • @Haustechniker
    Ist ja schön für Sie, dass Sie aus welchen Gründen auch immer einen grundsätzlichen Hass gegen die Deutsche Bank und deren ehemaligen CEO empfinden.
    Aber was haben diese mit den Aktivitäten der ehemaligen Geschäftsleitng der Sal. Oppenheim zu tun? Die Deutsche Bank hat Sal. Oppenheim gekauft / "gerettet", nachdem diese durch die Angeklagten (fast) ruiniert wurde.

  • Ist im Prinzip wie bei S&K, nur mit seriöserem Anschein und auf höherem Niveau.

  • @Johannes82

    Offtopic: Ich möchte doch einmal darauf hinweisen, dass der Adel in Deutschland abgeschafft ist.

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    Dann hat hier aber jemand die Entwicklung verschlafen!! Wir sind schon lange dabei, den Adel wieder aufleben zu lassen und die Gesellschaft zu refeudalisieren!

  • Falsch; fragen Sie einmal einen Rabbiner. Und schauen Sie einfach einmal, wie Konvertiten von den jüdischen Gemeinden und ihren Mitgliedern wahrgenommen werden.

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