Noch vor einem Jahrzehnt kannte kaum jemand die Bankengruppe Santander. Das hat sich im Zuge der Finanzkrise geändert: Die größte spanische Bank pickt sich unter den taumelnden Geldhäusern die Rosinen heraus. Jetzt hat Santander zum dritten Mal in drei Monaten zugegriffen.
DÜSSELDORF. Santander erwirbt den Rest des angeschlagenen US-Finanzkonzern Sovereign Bancorp, von dem der spanischen Bank bereits 25 Prozent gehören. Der Kauf solle in Form eines Aktientauschs vollzogen werden, gab das Institut am Dienstag bekannt. Gemessen am Preis der Santander-Papiere hat die Übernahme nach Angaben beider Institute einen Wert von 1,4 Mrd. Euro. Mit der Transaktion gingen Vermögenswerte von knapp 58 Mrd. Euro und 750 Niederlassungen im Nordosten der USA in den Besitz Santanders über.
Die Spanier hatten bereits Ende September zugekauft: Santander übernahm von der abgestürzten britischen Hypothekenbank Bradford & Bingley die Filialen des Instituts und Spareinlagen in Höhe von 25,6 Mrd. Euro und zahlte dafür einen Schnäppchenpreis von 773 Mio. Euro. Die Verbindlichkeiten in Höhe von 63 Mrd. Euro dagegen gingen an Großbritannien.
Zuvor hatte sich das Geldhaus den britischen Hypothekenfinanzierer und Northern-Rock-Konkurrenten Alliance & Leicester geschnappt. Auch hier kam Bankchef Emilio Botin vergleichsweise preiswert zum Zuge: Er erwarb die Bank, die rapide an Wert verloren hatte, für umgerechnet 1,64 Mrd. Euro. Zu ihren besten Zeiten wäre sie etwa das Vierfache wert gewesen.
Nicht nur in den USA und Großbritannien hat Santander expandiert. Dem Geldhaus gehört seit Oktober vergangenen Jahres auch das Lateinamerika-Geschäft von ABN Amro. „Ein solcher Umfang der Expansion wäre ohne die Finanzkrise nicht möglich gewesen“, sagt Stephan Paul, Professor für Finanzen und Kreditwirtschaft im Gespräch mit Handelsblatt.com. „Santander gehört somit eindeutig zu den Profiteuren der Krise.“
Für die Zukäufe war und ist Santander gut gerüstet: Im vergangenen Jahr veräußerte das Institut verstärkt eigene Immobilien. Im September 2008 verkaufte es dann seine Zentrale zum Rekordpreis von 1,9 Mrd. Euro an einen britischen Immobilienkonzern. Die Gebäude mietet Santander für die kommenden 40 Jahre zurück, danach besteht die Möglichkeit eines Rückkaufs.
Die Stärke des iberischen Instituts sieht der Experte in seinem geringen Engagement in US-Hypothekenkrediten. Zudem verfügt Santander aufgrund seiner Fokussierung auf das Privatkundengeschäft über eine beträchtliche Expertise. Besonders bemerkenswert sie die Kostenstruktur des Instituts. „Santander weist eine sehr niedrige Aufwands-Ertrags-Quote aus: Die Bank muss 40 Cent aufwenden um einen Euro zu verdienen“, sagt Finanzexperte Paul.

