Die Schweizer Bank hat mittlerweile 25 Milliarden Euro abgeschrieben, in den USA drohen Klagen von Behörden wegen angeblicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Was der UBS
so schwer zu schaffen macht.
FRANKFURT. Heute um kurz vor neun nimmt es wieder seinen Lauf: das Ritual. Brady Dougan, der stets ein wenig überarbeitet aussehende Chef der Credit Suisse
wird in dem großen runden Konferenzsaal der Bank in Zürich nach vorne gehen, auf die Teleprompter schauen und ohne eine Regung die Halbjahresbilanz der Bank verkünden. Sie wird bestenfalls durchwachsen ausfallen.
Anschließend wird es Fragen prasseln. Warum, so werden die Zuhörer wissen wollen, steht die Credit Suisse
vergleichsweise besser da als die Konkurrenz von nebenan? Die UBS
hat inzwischen 25 Mrd. Euro abgeschrieben. Und sie hat alle Hände voll zu tun, Klagen von Behörden in den USA abzuwehren, die sie der Beihilfe zur Steuerhinterziehung bezichtigen. Sind die einen tatsächlich die Buh- und die anderen die Saubermänner?
Rückblende: Anfang Juli 2007 kracht es im Verwaltungsrat der Bank. Bei einer Sitzung in Valencia, wo die UBS
als strahlender Hauptsponsor der bedeutendsten Segelregatta, dem America?s Cup, auftritt, bläst ein Sturm Peter Wuffli vom Stuhl. Bis dahin hatte Wuffli als UBS
-Chef die Bank wie kein zweiter verkörpert: unaufgeregt bis zur Langeweile, seriös bis zur Goldbrille. Doch in Valencia dämmert den Verwaltungsräten, dass Wuffli dem Druck, dem er ausgesetzt war, nicht standgehalten hat.
Die Schweizer hatten sich zum Ziel gesetzt nicht nur die Nummer eins unter den Vermögensverwaltern zu bleiben, sondern auch unter den Investmenthäusern eine ganz große Kugel zu schieben. Wuffli - und mit ihm der Verwaltungsrat - hatten deswegen Risiken in Kauf genommen, die sich jetzt rächten. Der UBS-Hedge
-Fonds Dillon Read war abgestürzt. Wuffli hatte dem Chef des Ladens John Costas zuvor nahezu einen Blankoscheck ausgestellt, um für UBS
und ihre vermögenden Kunden einen Teil des boomenden Marktes für alternative Investments zu erobern. Costas erhielt nicht nur eine Starthilfe von 3,5 Mrd. Dollar, sondern durfte rund um den Globus teure Händler anheuern. Bis zum März 2007 hatte er regelmäßig Gewinne abgeliefert. Im Frühjahr meldete Dillon Read den ersten Verlust: rund 150 Mill. Dollar, verspekuliert mit Hypothekenanleihen. Wuffli zog die Notbremse und löste den Hedge-Fonds auf. Die Rede war von 300 Mill. Dollar, die das kosten würde.
Noch niemals hatte sich die Bank so sehr verschätzt. Einer ihrer Fehler: Um schneller voranzukommen hatte sie dem A-Team um Costas ein internes B-Team gegenübergestellt, das versuchen sollte, Dillon Reads Gewinne noch zu toppen. Stattdessen toppte es dessen Verluste. Das Debakel war symptomatisch, für das was folgte: Eine Hiobsbotschaft aus dem US-Geschäft jagte die nächste. Die UBS
, einst das Sinnbild Schweizer Vorsicht, hatte bei ihrer Anstrengung, die anderen Investmenthäuser einzuholen, fast jegliches Risikobewusstsein über Bord geworfen.
Der eilig eingesetzte Wuffli-Nachfolger Marcel Rohner dürfte nicht gewusst haben, auf was er sich einlässt. Und der einzige, der es wissen musste, Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel, hatte kein Interesse an der Aufklärung jener Vergangenheit, an der er beteiligt war. Er betätigte sich stattdessen als Strippenzieher, organisierte frisches Kapital, zunächst von einem Staatsfonds aus Singapur, was der UBS
den Spitznamen United Banks of Singapor einbrachte, später dann von den übrigen geschockten Aktionären. Erst im Frühjahr 2008, als Ospel so unstürzbar wie ein chinesischer Parteichef schien, trat er ab. Sein Nachfolger Peter Kurer stammt aus seinem Umkreis. Einen personellen Neuanfang hat die UBS
damit nicht geschafft.
Dazu kommt eine zweite Baustelle, die der UBS
und dem Finanzplatz Schweiz, der je nach Schätzung zehn bis 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes beiträgt, schwer in Mitleidenschaft ziehen könnte. In den USA machen Justizministerium, Börsenaufsicht und Staatsanwälte mit vereinter Kraft den Schweizern das Leben schwer, indem sie ihnen nachweisen, dass sie US-Bürgern geholfen haben, Steuern zu hinterziehen. Die USA kommt dabei schneller voran als die EU, wo der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück zwar ins gleiche Horn stößt, aber aufpassen muss, dass er den Kollegen aus den EU-Ländern Österreich, Belgien und Luxemburg, wo ähnliche Regeln wie in der Schweiz gelten, nicht auf die Füße tritt. Der Schaden für die Banken ist immens: Die ersten vermögenden Kunden haben der UBS
bereits den Rücken gekehrt.
All dies hat auch Credit-Suisse-Chef Dougan vom sicheren Schreibtisch gegenüber aus beobachtet. Er wird heute sein Pokerface aufsetzen. So wie vergangenes Jahr um diese Zeit, als er von einem "anspruchsvollen Marktumfeld" sprach und ansonsten mit keinem Wort das, was kommen sollte, schon mal an die Wand malte. Immerhin lässt ihn eine Gewissheit Ruhe bewahren: Den ewigen Konkurrenten von nebenan hat er bis auf weiteres abgehängt.
Ex-Trutzburg
Was war: Schweizer Banken sind mit mehr als drei Bill. Euro die größten Vermögensverwalter der Welt. Daneben haben sich die beiden Banken Credit Suisse
und UBS
als Investmenthäuser positioniert. Dieses zyklische Geschäft soll durch das stabile Vermögensverwaltungsgeschäft unterstützt werden.
Was ist: Die UBS
hat im Investmentbanking 25 Mrd. Euro verloren. Der Vertrauensverlust schwächt das Vermögensverwaltungsgeschäft. Die Credit Suisse
hat bislang rund 5,3 Mrd . Euro an Wertminderungen hinnehmen müssen. Die UBS
steht in den USA im Mittelpunkt mehrere Prozesse unter anderem, wegen Steuerhinterziehung.
Was wird: Ob die UBS
selbständig bleiben kann, ist angesichts eines abgestürzten Börsenkurses unsicher. Das Geschäftsmodell der Großbanken gerät dadurch ins Wanken. Der Druck auf das Bankgeheimnis schwächt den Bankenplatz.

