Der Schweizer Lebensversicherer lässt sich mit seinem Einstieg bei MLP
nach Meinung vieler Analysten auf ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang ein. Einige Beobachter sehen eine "Schlammschlacht" heraufziehen, die keinem der Beteiligten gut tue.
HB FRANKFURT. Über Nacht ist Swiss Life
zum Großaktionär des Finanzvertriebs MLP
aufgestiegen. Das Paket von knapp 27 Prozent kam von Carsten Maschmeyer, dem Vorstandsvorsitzenden der Swiss-Life-Tochter AWD
. Was die Schweizer mit dieser Sperrminorität anfangen wollen, ließen sie offen. Swiss-Life-Manager Rolf Dörig betonte öffentlich nur unermüdlich, dass keine feindliche Übernahme geplant sei.
AWD
-Chef Maschmeyer indes hat MLP
geistig schon übernommen. Intern verkündete er: "Unsere Bewegung der Unabhängigen schreibt Weltgeschichte." Seinen Beratern zeigte er grafisch auf, dass MLP
und AWD
zusammen künftig größer wären als Marktführer DVAG. Maschmeyer: "Dieser neue Marktgigant wird seine Wirkung auf alle Kunden, Kollegen und zukünftigen Bewerber sowie sich uns anschließende Wettbewerber magnetisch entfalten."
In Wiesloch besteht daran kein Interesse: "Das Management der MLP
AG sieht keinen Bedarf für strategische Gespräche mit der Swiss Life-Gruppe."
MLP
-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Lautenschläger will keinen weiteren Dialog. Er halte uneingeschränkt an seiner Beteiligung von gut 32 Prozent an MLP
fest. Kooperationen mit AWD
seien "für MLP
nicht sinnvoll". Denn: "Eine Zusammenarbeit zwischen Swiss Life
und MLP
, die über die bisherige Produktkooperation hinausgeht, würde die Unabhängigkeit und das Geschäftsmodell von MLP
nachhaltig gefährden." Nach Angaben von Swiss Life
verkaufen die Schweizer pro Jahr ein Beitragsvolumen von 50 bis 70 Mill. Euro über den MLP
-Vertrieb. Das ist wenig.
Die Top-Liga der deutschen Finanzvertriebe
Lautenschläger denkt an sein Lebenswerk: "An meiner Entscheidung, meine Beteiligung an MLP
nicht zu verkaufen, hat sich nichts geändert und wird sich auch langfristig nichts ändern." In der Branche wird dies allerdings bezweifelt. Neben dem Preis sei entscheidend, dass Lautenschläger sein Gesicht wahren könne.
In der Hoffnung darauf sandten Swiss Life
und AWD
Liebessignale. Rolf Dörig und Carsten Maschmeyer betonten unermüdlich die Unabhängigkeit von MLP
, die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Vertrieben sowie das bisherige gute Einvernehmen. Dies habe sich in vielen Gesprächen gezeigt. "Für beide Häuser ist nebeneinander Platz unter dem Dach der Swiss Life", sagte Maschmeyer. Beide könnten zur Nr. 1 weltweit aufsteigen. Das sei sein Traum. Dörig erklärte, weder Swiss Life
, AWD
noch Maschmeyer wollten weitere MLP
-Aktien kaufen. "Der nächste Schritt geht nur im Einvernehmen mit MLP
. Wir wollen nicht feindlich vorgehen."

