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22.07.2008 

Um die Schieflage in der Bilanz auszugleichen, helfen jetzt nur noch Kosten sparende Zusammenschlüsse oder der Verkauf von Tafelsilber, wie bei Merrill Lynch zu sehen. Der neue Konzernchef John Thain will sich in den nächsten Wochen und Monaten von weiteren Beteiligungen trennen, nachdem er gerade erst den Anteil am Finanznachrichten-Konzern Bloomberg für 4,4 Mrd. Dollar abgegeben hat.

Die Geschäftsmodelle der Investmentbanken stehen auf dem Prüfstand. „Es gibt eine Renaissance des Dienstleistungsgedankens“, sagt ein Frankfurter Top-Banker, der die gesamte Branche im Umbruch sieht. Die Beratung bei Fusionen und Übernahmen, aber auch bei der Strukturierung der Bilanzen werde an Bedeutung zunehmen. Dagegen würden Geschäfte, bei denen das Geld der Aktionäre für eigene Transaktionen der Investmentbanken verwendet werden, tendenziell abnehmen. Ein Vorteil bestehe dabei darin, dass man weniger Kapital binden muss.

„In den vergangenen drei Jahren haben die Fachleute für Syndizierungen und die Handelsteams das Geschäft getrieben. Doch nach dem Boom werden die Vorstände zukünftig wieder viel stärker auf die Bonität der Beteiligten achten“, sagt ein Experte. Bei den Finanzprodukten erwarten die Beobachter zwar keine Rückkehr zu einfachen sogenannten „plain vanilla“-Konstruktionen, allerdings werde die Komplexität deutlich zurückgedreht. „Es wird beispielsweise Verbriefungen geben, aber in einfacherer Architektur“, sagt ein Banker.

Die Schrumpfkur öffnet neuen Wettbewerbern die Tür. Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen stehen bereit, um Geschäft abzuziehen – etwa bei der Vergabe von Krediten. Der Finanzinvestor KKR hat bereits ein eigenes Team zusammengestellt, das auf die Suche nach institutionellen Investoren für seine eigenen Firmenbeteiligungen geht. Früher – in besseren Tagen – haben diesen Job Investmentbanken gemacht.

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