Dem Land der Banken gehen die Banker aus. Angesichts einer guten Konjunktur und der starken Expansion einiger Institute – wie Julius Bär oder Börsenneuling EFG-Privatbank – sucht die Schweizer Bankenbranche händeringend neue Mitarbeiter. Der Engpass könnte zum Wachstumrisiko werden.
Den Schweizer Banken macht die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Es fehlen die Mitarbeiter. Foto: dpa
ZÜRICH. Den Schweizer Banken macht die angespannte Arbeitsmarktlage zu schaffen. Allein bei der Großbank UBS sind in der Schweiz derzeit 700 Stellen unbesetzt; weltweit dürfte es eine vierstellige Zahl sein. UBS-Chef Peter Wuffli bezeichnet den Mangel an Nachwuchskräften im Gespräch mit dem Handelsblatt als „Flaschenhals beim Wachstum“.
Selbst die seit 2004 in Kraft getretene Freizügigkeit, die es Arbeitgebern in der Schweiz erlaubt, Mitarbeiter aus der Europäischen Union ohne besondere Nachweise einzustellen, entspannt die Lage nicht. Zudem herrscht in der Schweiz mit einer Arbeitslosenquote von rund drei Prozent annähernd Vollbeschäftigung. Die Initiativen, um diesen Mangel zu beheben, sind unterschiedlich. Die UBS hat bereits ihre Suche nach neuen Mitarbeitern verstärkt. So erhalten UBS-Angestellte, die einen neuen Mitarbeiter für die Bank gewinnen können, eine Prämie. Die Mitarbeiterförderung hat höheres Gewicht erhalten und spielt beispielsweise in der jährlichen Leistungsbewertung eine Rolle.
Bei der Credit Suisse sind allein auf ihrem Heimatmarkt 600 Stellen unbesetzt. Gesucht wird alles: vom Kundenberater bis zum Juristen in Stabsfunktion. Bei der Besetzung greift auch die Credit Suisse auf interne Empfehlungen zurück, die in der Regel mit Prämien belohnt werden, wenn sie zu einer Einstellung führen. Der Bedarf der Bank dürfte so schnell nicht gestillt sein. Die Credit Suisse verkauft derzeit ihre Versicherungstochter Winterthur. Wenn der Verkauf wie geplant Ende des Jahres abgeschlossen ist, wird die Bank noch entschiedener als bisher in ihren Kernbereichen auf Wachstum setzen – und damit weitere Stellen ausschreiben.
Während die Großbanken auf ihre Attraktivität als internationale Unternehmen setzen, vertrauen die kleineren Institute auf ihre Reputation als Arbeitgeber. Herbert Scheidt, Geschäftsführer der Bank Vontobel in Zürich, sagt, es gelinge Vontobel, Vermögensverwalter anzuziehen, die den Ruf der Bank schätzten.
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Allerdings ist das Angebot an guten Leuten derart knapp, dass zunehmend auch andere Faktoren eine Rolle spielen. Weil unter den Banken ein regelrechter Kampf um die besten Mitarbeiter ausgebrochen ist, steigen die Gehälter und Prämien für neue Mitarbeiter. Dies gilt vor allem für Vermögensverwalter, die bei einem Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber in der Regel auch ihre Kunden und deren angelegtes Geld mitbringen.
Hier gilt derzeit die Züricher Bank Julius Bär als besonders rührig: Sie ist seit der Übernahme von vier Banktöchtern der UBS auf Wachstumskurs und will insbesondere ihr Geschäft in Asien ausbauen. Die Bank zahlt Spitzengehälter für erfolgreiche Vermögensverwalter, was sich im Halbjahresbericht in einem um 26 Prozent gestiegenen Personalaufwand niedergeschlagen hat. „Die billigste Variante zu akquirieren ist, die richtigen Leute an Bord zu holen“, sagt Alex Widmer, Chef des Privatkunden-Geschäfts bei Julius Bär.
Bei der Schweizerischen Bankiervereinigung, in dem die Banken zusammengeschlossen sind, nehmen vor diesem Hintergrund die Pläne für eine eigene Nachwuchsförderung Gestalt an. Universitäten, der Bund und die Banken haben gemeinsam das Swiss Finance Institute gegründet, das seit Jahresbeginn Nachwuchsbanker ausbildet. „In zwei bis drei Jahren, wenn die ersten Abgänger auf dem Arbeitsmarkt landen, soll der Flaschenhals beseitigt werden“, sagt Thomas Sutter, Sprecher der Bankiervereinigung.

