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04.09.2008 
Eidgenössische Banken

Schweizer Modell wackelt

von Torsten Riecke

Der Sturm auf den Finanzmärkten hat die heile Welt der Privatbankiers in Zürich durcheinandergewirbelt. Durch die Steueraffäre in den USA steht das Schweizer Bankgeheimnis unter Beschuss. Die eidgenössischen Banken müssen ihre Geschäftsstrategien überdenken - doch die Umgestaltung des Finanzplatz Zürich stößt nicht allerorten auf Zustimmung.

ZÜRICH. Das wurde jetzt bei einem Gipfeltreffen der feinen Branche deutlich. Konnten sich die Vermögensverwalter lange hinter den Subprime-Problemen des Marktführers UBS verstecken und zum Teil sogar davon profitieren, wächst jetzt zunehmend die Einsicht, dass das gesamte Geschäftsmodell der Branche auf dem Prüfstand steht: Das Bankgeheimnis wird nach den Steueraffären in Liechtenstein und Amerika offen infrage gestellt. Über die Frage, ob Vermögensverwalter eine Investmentbank brauchen, ist ein Glaubenskrieg ausgebrochen. Und die Finanzkrise hat die Wachstumsaussichten auf wichtigen Kernmärkten eingetrübt.

"Wir müssen uns auf eine Periode mit geringeren Zuwachsraten einstellen", sagte Robert Parker, Vice Chairman des Asset Management bei Credit Suisse, auf dem vom Euroforum organisierten Private Banking Summit. Im Blick hat er dabei vor allem die USA und Europa, wo Verbraucher und Banken den Rückwärtsgang eingelegt haben, um ihre Schulden zurückzufahren. Raoul Weil, Chef der UBS-Vermögensverwaltung, sagte für dieses Jahr weiter bröckelnde Erlöse und steigende Kosten voraus. "Kreditkrisen dauern in der Regel etwa vier Jahre", warnte sein Kollege Parker. Langfristig halten beide Banker die Wachstumsaussichten insbesondere in den Schwellenländern jedoch weiterhin für "attraktiv".

Bislang galt vor allem die Großbank UBS als der größte Verliererin der Finanzkrise. Die Schweizer mussten nicht nur insgesamt 45 Mrd. Franken im Investmentbanking abschreiben, sondern haben im zweiten Quartal auch in der Kernsparte Wealth Management Federn gelassen. Kunden zogen netto mehr als 17 Mrd. Franken ab. Vermögensberater liefen zur Konkurrenz über und nahmen dabei in der Regel bis zu 30 Prozent des von ihnen verwalteten Vermögens mit.

Erzrivale Credit Suisse konnte ein Plus von 15,4 Mrd. Dollar verbuchen. In gleicher Höhe haben auch die reinen Vermögensverwalter Julius Baer, Vontobel und Sarasin zusammen von der Schwäche des Marktführers profitieren. Mit einem Plus von 80 Prozent im ersten Halbjahr verzeichnete die noch junge Privatbank EFG International die stärkste Zuwachsrate. "Small is beautiful", brachte Prof. Teodore Cocca von der Universität Linz den Trend auf den Punkt.

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