Schweizer Privatbank: Wie acht Männer Milliarden verwalten

Schweizer Privatbank
Wie acht Männer Milliarden verwalten

Acht Männer ziehen die entscheidenden Fäden im globalisierten Kapitalmarkt. Das Oktett bildet den Teilhaberkreis des Schweizer Bankhauses Pictet. Hier werden rund 170 Mrd. Euro verwaltet. Eine gewaltige Summe, die in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Portugals oder Thailands entspricht.

GENF. Die Schalterhalle am Boulevard George-Favon in Genf lassen Kunden der Privatbank Pictet rechts liegen. Sie dient inzwischen weniger zur Abwicklung von Geldgeschäften als vielmehr als Heimstatt für ein Automobil, das heute liebevoll „Pic-Pic“ genannt wird. Lucien Pictet hat den Wagen 1914 gebaut, zusammen mit seinem Freund, dem Abenteurer Paul Piccard.

Vorbei an dem Oldtimer, der angeblich sogar noch läuft, geht es zum Fahrstuhl. Ohne Zutun des Fahrgastes schwebt der Lift in die richtige Etage, wo den Besucher das Gefühl soliden Reichtums umgibt. Von hier oben, wo sich auch die Speisesäle befinden, in denen erlesene Kunden bewirtet werden, werden rund 170 Mrd. Euro verwaltet. Eine gewaltige Summe, die in etwa dem Bruttoinlandsprodukt Portugals oder Thailands entspricht.

Acht Männer entscheiden letztlich darüber, wohin dieses riesige Vermögen bewegt wird. Acht Männer, die damit im globalisierten Kapitalmarkt entscheidende Fäden ziehen. In 64 Ländern legen sie das Geld der Gutbetuchten aus 180 Nationen an. Die Zahl acht hat sich bewährt; jüngere Kollegen rücken nur nach, wenn ältere aussteigen. Ein, zwei Männer, die den Namen Pictet tragen, sind stets darunter.

Das Oktett bildet den Teilhaberkreis des Bankhauses, alle acht stehen mit ihrem privaten Vermögen für die Bank gerade – Privatbankiers eben. Einer von ihnen ist Jacques de Saussure, ein studierter Mathematiker mit hoher Stirn, grauem, leicht lockigem Haar und jenem unerbittlichen Charme des Privatbankiers, der niemals das Gefühl hinterlässt, um einen Kunden zu kämpfen, ihn aber stets gewinnen will. „Wir sind gewissermaßen eine große, kleine Bank. Bei uns gibt es Personen, die persönlich verantwortlich sind. Wer will schon mit einer Maschine arbeiten?“, fragt de Saussure. Er beschreibt das Modell, mit dem sich Pictet durch die globale Welt schlägt, so: Wo nur noch Größe zählt, wird Übersichtlichkeit zum Wert an sich. Wo Vermögen in Milliarden gezählt wird, müssen die Verwalter der Riesensummen Gesicht zeigen.

170 Jahre lang in der ziemlich genau 200-jährigen Tradition des Bankhauses war das niemanden so klar. Da hatte die Schalterhalle noch ihre Funktion. Summen wurden nicht per Mouseclick um die Welt geschoben. De Saussure kennt die Zeit noch. Als er 1980 zu Pictet stieß, hatte das Zeitalter des elektronischen Datentransfers gerade erst begonnen. Zwei Dinge seien es, die die Globalisierung so richtig in Gang gebracht haben, sagt er: Die Telekommunikation mit der Möglichkeit, Computer zu vernetzen. „Wir können seither weltweit unsere Dienstleistungen erbringen.“ Der zweite Faktor sei die politische Öffnung, die mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 eingesetzt habe.

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