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23.08.2006 
Halbjahresbilanz

Schweizer Privatbanken steigern ihre Gewinne

von Oliver Stock

Obwohl sie derzeit mit dem einen oder anderen hausgemachten Problem kämpfen, haben die Schweizer Privatbanken im zweiten Quartal gut verdient. Am gestrigen Dienstag untermauerten die Bank Vontobel und die Bank Sarasin mit ihren Halbjahreszahlen den positiven Trend, den Ende des vergangenen Monats das Bankhaus Julius Bär bereits angedeutet hatte.

Kennzahlen der Schweizer Privatbanken Julius Bär, Sarasin und Vontobel. Quelle: HandelsblattLupe

Kennzahlen der Schweizer Privatbanken Julius Bär, Sarasin und Vontobel. Quelle: Handelsblatt

ZÜRICH. Die drei großen unter den kleineren Schweizer Banken konnten ihr betreutes Kundenvermögen trotz eines in den vergangenen drei Monaten turbulenteren Marktumfelds steigern: Das Bankhaus Julius Bär, das im vergangenen Jahr durch Zukäufe zu einer kleinen Großbank aufgestiegen ist, liegt dabei mit 320 Mrd. Franken (261 Mrd. Euro) betreutem Vermögen deutlich an der Spitze. Vontobel kommt inzwischen auf 62 Mrd. und liegt damit etwa gleichauf wie Sarasin mit 65 Mrd. Franken unter Verwaltung.

Gemessen am Verhältnis zwischen Kosten und Einkünften arbeitet Vontobel mit einer Cost-Income-Ratio von aktuell 60,7 Prozent sehr effektiv, was sich allerdings angesichts laufender Investitionen ändern könnte. Ein Grund für den guten Wert ist die Partnerschaft mit der Schweizer Raiffeisengruppe, die die Zahl der Kunden erhöht und gleichzeitig die Kosten unterm Strich senkt. Bär und Sarasin kommen auf einen Wert von rund 64 Prozent.

Alle drei Banken setzen weiter große Hoffnungen auf deutsche Kunden, die sie sowohl vor Ort als auch in der Schweiz betreuen. Zwar verstärken sie ihre Anstrengungen, neues Geld und neue Kunden insbesondere im Nahen und Fernen Osten zu gewinnen, aber „Deutschland bleibt ein Kernmarkt“, sagt Herbert Scheidt, Geschäftsführer bei Vontobel.

Vontobel ist in der Schweiz Marktführer im Derivate-Geschäft. Im ersten Halbjahr erzielte die Bank hier einen Gewinnsprung von 84 Prozent. Das Nettoergebnis steigerte Vontobel um 54 Prozent auf 130,6 Mill. Franken. Nur vier Prozentpunkte geringer fiel das Wachstum bei Sarasin aus, die 63,2 Mill. Franken verdiente. Dazu beigetragen hat nach den Worten des scheidenden Konzernchefs Peter Merian ein Effizienzsteigerungsprogramm, das vergangenes Jahr in der Schweiz gestartet worden war und nun auf andere Länder ausgedehnt wird. Die Restrukturierung wird nach Berechnungen der Bank Einsparungen in Höhe von fünf Mill. Franken im Jahr bringen.

Sowohl Sarasin als auch Vontobel beobachten mit einigem Interesse die Vorgänge rund um den Konkurrenten Swissfirst. Die Privatbank steht zum Verkauf, seitdem das Management und die Anlagestrategen einiger Pensionskassen, die mit Swissfirst zusammenarbeiteten, wegen Insiderhandels unter Druck geraten sind. Sarasin-Chef Merian sagte am Dienstag, dass sein Haus bei einem Verkauf an „gewissen Produkten der Swissfirst durchaus Interesse“ haben könnte.

Langfristig stärker beschäftigt den Vontobel-Chef allerdings ein Urteil, das das Schweizer Bundesgericht im Frühjahr erlassen hat und das die Vermögensverwalter des Landes betrifft. Diese dürfen Provisionen, die sie von Banken für den Verkauf von deren Produkten erhalten, nicht mehr einstreichen, sondern müssen die so genannten „Kickbacks“ in der Regel an die Kunden weitergeben. Obwohl sich das Urteil auf selbstständige Vermögensverwalter bezog, rechnet Scheidt damit, dass es „weitere Kreise zieht“ und auch auf Banken übertragbar ist, die ihren Kunden fremde Finanzprodukte anbieten.

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