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08.09.2006 
Französischer Rückversicherer

Scor liebäugelt mit Köln

von Holger Alich

Der französische Rückversicherer Scor erwägt, am Standort Köln den Sitz seiner neuen Lebensrückversicherungs-Tochter Scor Global Life anzusiedeln. „Wenn sich erweist, dass Köln der bessere Standort als Paris ist, wird der Sitz in Köln angesiedelt“, sagte Scor-Chef Denis Kessler dem Handelsblatt. Scor ist über einen Zukauf mit Köln verbunden.

Scor kann sich die Domstadt Köln als Standort vorstellen. Foto: apLupe

Scor kann sich die Domstadt Köln als Standort vorstellen. Foto: ap

PARIS. Scor hatte Anfang Juli den Kauf des Kölner Lebensrückversicherers Revios für 605 Mill. Euro angekündigt. Revios ging aus Gerling Rück hervor. Nach Genehmigung der Übernahme durch die Aufsichts- und Kartellbehörden will Kessler das Lebensrückversicherungsgeschäft der Scor mit Revios zur Scor Global Life zusammenlegen, der neuen Nummer vier des Weltmarktes.

Die Teams von Scor und Revios arbeiten bereits zusammen. Und planen weitere Übernahmen. „Sie schauen sich derzeit gemeinsam Scottish Re an“, sagte Kessler. Scor habe Zugang zu den Daten des zum Verkauf stehenden Rückversicherers und eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnet.

Scottish Re ist ein Lebensrückversicherer mit Sitz auf den Bermudas mit Geschäftsschwerpunkt USA, der in Schwierigkeiten steckt. Die Banken Goldman Sachs und Bear Stearns suchen einen Käufer. Die Experten von Exane BNP Paribas halten es indes für unwahrscheinlich, dass sich Scor kurz nach der Revios-Übernahme einen weiteren, größeren Zukauf aufhalst.

Anfang des Jahrtausends, als Kessler das Ruder bei Scor übernahm, stand der Rückversicherer selbst beinahe vor dem Zusammenbruch – unter anderem wegen Haftpflicht-Risiken in den USA. Der neue Chef erhöhte mehrmals das Kapital und kündigte unrentable Kundenverbindungen. Zwischen 2005 und 2002 halbierte sich so der Umsatz. Heute hat Scor bei der maßgebenden Agentur Standard & Poor“s wieder ein auskömmliches „A minus“-Rating – und Luft für Übernahmen.

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Scor wächst durch Übernahmen

Im Dezember übernahmen die Franzosen von dem Bermuda-Rückversicherer Alea die Vertragserneuerungsrechte für dessen Europa-Portfolio. Anschließend beteiligte sich Scor am Luftfahrt-Versicherer La Réunion Aérienne und übernahm eine auf Agrar-Risiken spezialisierte Mannschaft von GE Frankona Re. Scor prüfte auch den Zukauf der Axa Re, doch da sie zu stark im Geschäft mit Naturkatastrophen-Risiken in den USA involviert ist, winkte Kessler ab.

Durch die Übernahme der Revios steigt nun das Gewicht der Lebensrückversicherung bei Scor auf 60 Prozent der Prämieneinnahmen. „Wir streben an, dass die Sparten Leben und Nicht-Leben gleichmäßig den Konzern ziehen“, sagte Kessler. Derzeit zeigt die Sparte „Nicht-Leben“ (vor allem Sachversicherungen wie Feuer und Kfz-Geschäft) starkes Wachstum – allein im ersten Halbjahr waren es 28 Prozent.

Bei dem am Wochenende anstehenden Branchentreffen in Monte Carlo erwartet der Scor-Chef keinen allgemeinen Preisdruck. „Den großen, einheitlichen Zyklus im Rückversicherungsgeschäft gibt es nicht mehr“, sagte Kessler. Die Rückversicherer reagierten heute viel schneller als in der Vergangenheit auf Schäden mit Erhöhungen und steuerten ihre Preise viel feiner nach Branchen und Kundengruppen. Die Experten der Ratingagentur Fitch dagegen schreiben, dass „die Preisentwicklung im Rückversicherungsgeschäft zyklisch ist“, sie rechnen mit nachgebenden Konditionen.

Scor hat sich im Nicht-Lebengeschäft aus Risikogründen auf kurz laufende Verträge konzentriert und sich weitgehend aus der Haftpflicht verabschiedet. Analysten sehen in dieser Strategie den Nachteil, dass bei den kurz laufenden Verträgen der Wettbewerbs- und damit der Preisdruck am größten sei. Solche Einwände lässt Kessler nicht gelten: „Wenn das so wäre, gäbe es Scor längst nicht mehr.“ Er nehme nur Verträge an, wenn sie eine ausreichende Rendite einbrächten.

Ein große Rolle spielt Scor auch im französischen Autogeschäft und bei der Absicherung von neuen Atomkraftwerken, zuletzt in Frankreich und Finnland.

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