Scor wächst durch Übernahmen
Im Dezember übernahmen die Franzosen von dem Bermuda-Rückversicherer Alea die Vertragserneuerungsrechte für dessen Europa-Portfolio. Anschließend beteiligte sich Scor am Luftfahrt-Versicherer La Réunion Aérienne und übernahm eine auf Agrar-Risiken spezialisierte Mannschaft von GE Frankona Re. Scor prüfte auch den Zukauf der Axa Re, doch da sie zu stark im Geschäft mit Naturkatastrophen-Risiken in den USA involviert ist, winkte Kessler ab.
Durch die Übernahme der Revios steigt nun das Gewicht der Lebensrückversicherung bei Scor auf 60 Prozent der Prämieneinnahmen. „Wir streben an, dass die Sparten Leben und Nicht-Leben gleichmäßig den Konzern ziehen“, sagte Kessler. Derzeit zeigt die Sparte „Nicht-Leben“ (vor allem Sachversicherungen wie Feuer und Kfz-Geschäft) starkes Wachstum – allein im ersten Halbjahr waren es 28 Prozent.
Bei dem am Wochenende anstehenden Branchentreffen in Monte Carlo erwartet der Scor-Chef keinen allgemeinen Preisdruck. „Den großen, einheitlichen Zyklus im Rückversicherungsgeschäft gibt es nicht mehr“, sagte Kessler. Die Rückversicherer reagierten heute viel schneller als in der Vergangenheit auf Schäden mit Erhöhungen und steuerten ihre Preise viel feiner nach Branchen und Kundengruppen. Die Experten der Ratingagentur Fitch dagegen schreiben, dass „die Preisentwicklung im Rückversicherungsgeschäft zyklisch ist“, sie rechnen mit nachgebenden Konditionen.
Scor hat sich im Nicht-Lebengeschäft aus Risikogründen auf kurz laufende Verträge konzentriert und sich weitgehend aus der Haftpflicht verabschiedet. Analysten sehen in dieser Strategie den Nachteil, dass bei den kurz laufenden Verträgen der Wettbewerbs- und damit der Preisdruck am größten sei. Solche Einwände lässt Kessler nicht gelten: „Wenn das so wäre, gäbe es Scor längst nicht mehr.“ Er nehme nur Verträge an, wenn sie eine ausreichende Rendite einbrächten.
Ein große Rolle spielt Scor auch im französischen Autogeschäft und bei der Absicherung von neuen Atomkraftwerken, zuletzt in Frankreich und Finnland.

