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31.08.2008 
Allianz und Dresdner Bank hatten bei Fusion große Erwartungen geweckt

SdK: „Aus Aktionärssicht ist die Bilanz verheerend“

Als Vorstandschef der Allianz hatte Henning Schulte-Noelle vor sieben Jahren in Frankfurt die größte deutsche Bankenübernahme verkündet.

ap MÜNCHEN. Mit dem Kauf der Dresdner Bank steige der Versicherungskonzern auf zum "führenden integrierten Finanzdienstleister", hatte er versprochen. Weil es aber ganz anders kam, hat sein Nachfolger Michael Diekmann jetzt die Reißleine gezogen - und Schulte-Noelle muss als Aufsichtsratschef den Schlussstrich unter seinen teuren Irrtum selbst besiegeln.

"Aus Aktionärssicht ist die Bilanz verheerend", sagt Lothar Gries von der Schutzvereinigung der Kapitalanleger (SdK). Für 24 Mrd. Euro hatte die Allianz die Dresdner 2001 übernommen, heute ist sie nicht einmal mehr die Hälfte wert. Ihr Ergebnisbeitrag zum Konzerngewinn liegt seit 2001 insgesamt "etwas über der Nulllinie", hat Allianzvorstand Helmut Perlet kürzlich erklärt.

Die Idee der Fusion war, den Kunden Aktienfonds und Lebensversicherung, Autokredit und Kfz-Versicherung, kurz: alle Finanzprodukte aus einer Hand zu bieten. Der neue Wachstumsmarkt Altersvorsorge werde die Synergien auf eine Milliarde Euro im Jahr steigern, kündigte die Allianz damals an.

Pustekuchen. "Die Erwartungen der Allianz und der Aktionäre wurden nicht erfüllt", sagt Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). "Sonst würde man ja jetzt nicht verkaufen."

Zwar veräußert die Allianz heute jede fünfte Lebensversicherung über die Bankschalter der Dresdner. "Eine ordentliche Quote", lobt Analyst Robert Mazzuoli von der Landesbank Baden-Württemberg. Außerdem hat die Allianz die florierenden DIT-Fondsgesellschaft der Dresdner ihrer eigenen Investmentgesellschaft AIG einverleibt und damit große Fortschritte gemacht, vor allem im Geschäft mit institutionellen Investoren. Trotzdem bleibt auch für Mazzuoli die Fusion unterm Strich ein Fehlschlag.

Denn Kreditausfälle im Firmenkundengeschäft und die Investmentsparte Dresdner Kleinwort rissen immer wieder Milliardenlöcher in die Konzernbilanz. Die Allianz habe die Risiken der versicherungsfernen Sparten unterschätzt - sie habe sich eigentlich gar nicht für die Bank, sondern nur für den Vertriebskanal interessiert, kritisiert Mazzuoli.

Späte Einsicht

Den Kunden Bank - und Versicherungsprodukte aus einer Hand anzubieten, sei richtig - "aber die Allianz hat die falsche Konsequenz gezogen mit dem Kauf einer kompletten Bank", sagt Mazzuoli. Besser seien Vertriebspartnerschaften. Andere Konzerne wie Axa, Credit Suisse oder Citigroup hätten ihre Bank-Versicherungs-Fusionen deshalb bereits rückgängig gemacht - "die Allianz ist eine der letzten".

Das neue Milliardenloch der Bank aus der Finanzmarktkrise, der sinkende Aktienkurs, der Zorn der Aktionäre zwangen Diekmann zum Handeln.

Wenn die Allianz die Dresdner jetzt tatsächlich in zwei Schritten an die Commerzbank verkaufen könne, "reißt das kurzfristig nicht zu Jubel hin", sagt Mazzuoli. Aber es scheine die einzige realistische Lösung zu sein. Die Allianz bekäme Vertriebswege in Deutschland und Polen dazu, und wenn sie ihre Beteiligung an der neuen Großbank nächstes Jahr unter 20 Prozent drücken könnte, "wäre das betriebswirtschaftlich halbwegs sinnvoll".

Aktionärsschützerin Bergdolt dagegen hat die Nase voll und fordert einen "klaren Schlussstrich" unter das Bankgeschäft. Die Allianz solle wieder "das machen, was sie beherrscht: das Versicherungsgeschäft".

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