Im Kampf der Banken um den deutschen Privatkunden geht die SEB Bank neue Wege. Während sich die Konkurrenz das Leben mit kostenlosen Girokonten gegenseitig schwer macht, nimmt die schwedische Bank wieder Geld von seinen Kunden – und verspricht dafür Rabatte beim Einkaufen. Ein Modell mit Zukunft?
FRANKFURT. „Konto- und Kartenleistungen immer noch billiger anzubieten, ist allein kein Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb“, sagte SEB-Deutschland-Chef Peter Buschbeck dem Handelsblatt. Die SEB war vor zehn Jahren eine der ersten Banken, die ein kostenloses Gehaltskonto einführten. „Die Geiz-ist-Geil-Mentalität bei Finanzprodukten ist dauerhaft nicht erfolgreich“, ist sich Buschbeck heute sicher. Sein Alternativkonzept: Ab Anfang Januar 2008 bewirbt die SEB wieder ein gebührenpflichtiges Girokonto. Der Inhaber bekommt für ein paar Euro Grundgebühr im Gegenzug beim Einkauf per Karte Rabatte von zehn Prozent bei über 1 000 Firmen, etwa bei der Fast-Food-Kette Burger King. Einen Rabatt von fünf Prozent gibt es bei der Buchung von Reisen mit der Kreditkarte. Zusätzlich wird es einen zinslosen Dispokredit geben, über dessen Höhe sich die Bank aber noch ausschweigt. Allerdings bietet die SEB auch weiterhin das gebührenfreie Girokonto an.
Seit die Commerzbank im vergangenen Herbst das Tabu unter den Großbanken gebrochen hat und seither mit einem kostenlosen Girokonto und hohem Marketingaufwendungen um Neukunden wirbt, haben die übrigen Institute nachgezogen. Die Deutsche Bank setzt mit der Tochter Norisbank sogar offensiv auf das Image als „Aldi-Bank“.
Die Commerzbanker sehen sich mit ihrer Kampagne, die unter dem Strich gut 250 000 Neukunden gebracht hat, bestätigt und wollen angesichts der Gegenattacken der Norisbank und nun der SEB nachlegen. „Gehen Sie davon aus, dass wir noch etwas im Köcher haben“, sagte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller kürzlich und kündigte damit eine Fortsetzung der Marketingschlacht um den Privatkunden an.
Die Folgen der Abschaffung der monatlichen Kontoführungsgebühren sind aber bei allen Banken zunächst wegbrechende Erträge, die durch den Verkauf anderer Bankprodukte wieder eingespielt werden müssen. „Das Girokonto ist wegen des Konditionenwettbewerbs kein wirklich profitables Produkt mehr“, sagte Andreas Pratz, Bankenexperte bei der Unternehmensberatung AT Kearney. Nur zwanzig Prozent der Kunden seien für Null-Kosten-Produkte wirklich zu haben, und die würden die Bank auch schnell wechseln, wenn es anderswo eine bessere Offerte gebe. Die übrigen 80 Prozent seien für Mehrwertangebote empfänglich und blieben dann auch länger bei der Stange. „So gesehen ist das schon eine richtungsweisende Sache“, kommentierte Unternehmensberater Pratz den Vorstoß der SEB.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die SEB setzt auf einen positiven Effekt.

