Die schwedische Großbank SEB will in Deutschland das Wachstumstempo erhöhen und setzt dabei auch auf Zukäufe. Zwar wollte sich Deutschlandchef Peter Buschbeck nicht zu konkreten Übernahmezielen äußern. Denkbar seien aber Zukäufe sowohl im Filialgeschäft als auch im Firmengeschäft.
FRANKFURT. „Wir haben deutlich mehr Appetit als in der Vergangenheit“, sagte Buschbeck im Gespräch mit dem Handelsblatt. Seit der Übernahme der früheren BfG Bank haben die Schweden in Deutschland nie ihre konzerninterne Renditevorgabe erreicht. Gerade das Privatkundengeschäft galt als Sorgenkind des Konzerns. Deren Chefin Annika Falkengren hatte 2005 der deutschen SEB AG ein Ultimatum bis Ende 2007 gestellt, um nachhaltig in die Gewinnzone zu kommen. Ansonsten drohte sie damit, die Deutschlandsparte bei anhaltendem Misserfolg zu verkaufen.
Mittlerweile ist die Drohung zur Erleichterung der deutschen Tochter vom Tisch. Falkengren gab eine klare Absage an ein Ultimatum und Verkaufsgerüchte: „Deutschland hat einen festen Platz in der Bank“, sagte sie kürzlich vor Analysten. Man könne einzelne Bereiche wie das Privatkundengeschäft nicht isoliert betrachten. Die SEB habe in Deutschland wie in Schweden eine starke Geschäftsbank (Merchantbank), die in großem Umfang vom bestehenden Privatkundensegment abhänge. Eine Bestandsgarantie gibt es jedoch nicht. Die deutschen Aktivitäten werden künftig von Quartal zu Quartal auf ihre Qualität hin überprüft.
Auch Analysten gehen mittlerweile davon aus, dass Deutschland im Konzern verbleibt. „Ein Ausstieg wird immer unwahrscheinlicher angesichts der Fortschritte, die dort erzielt werden“, urteilen etwa die Analysten von Lehman Brothers. Die Stockholmer hatten dank starker Kapitalmärkte den Gewinn im ersten Quartal dieses Jahres deutlicher gesteigert als von Analysten ursprünglich erwartet worden war. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) stieg um 13 Prozent auf 4,2 Mrd. schwedische Kronen (460 Mill. Euro). Die Eigenkapitalrendite nach Steuern lag bei 19 Prozent. Da kann Deutschland nicht mithalten.
Hier erreichte sie nach den Worten von Buschbeck insgesamt neun Prozent. Es belastete vor allem ein Großkreditverlust bei einem Einzelkunden. Auch höhere Refinanzierungskosten durch den Auslauf eines Sicherungsgeschäftes machten sich negativ bemerkbar. Im Privatkundengeschäft liegt die Eigenkapitalrendite sogar bei schwachen 5,1 Prozent.
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Deutschlandchef Buschbeck sieht sich trotzdem beim Sorgenkind Retail-Banking auf gutem Weg. Die im Januar gestartete strategische Kooperation mit der französischen Versicherung Axa laufe sehr gut. Dies habe zu einem um 70 Prozent höheren Vertriebsergebnis bei Versicherungen geführt. Der Ergebnisbeitrag zum Retailgeschäft soll am Ende im zweistelligen prozentualen Bereich liegen. Ohnehin hat Buschbeck seit seinem Start in Frankfurt im Sommer 2005 im Retailgeschäft die Kundenorientierung der Vertriebsmannschaft verbessert, deren „DNA hier unterentwickelt gewesen ist.“
Die SEB AG ist mit 174 Niederlassungen und gut einer Million Kunden in Deutschland vertreten. Um das Geschäft mit Kleinkunden voranzutreiben will der Deutschlandchef auch den mobilen Vertrieb ausbauen und damit Investitionen sparen. Bis Ende des Jahres sollen es knapp 100 Mitarbeiter sein. Außerdem setzt er auf eine große Marketingkampagne ab Juni, die zu einer stärkeren Wahrnehmung der Schweden führen soll. Gleichzeitig plant die SEB AG, das von ihr im Jahr 1996 als erstem Institut in Deutschland eingeführte kostenlose Girokonto weiter zu entwickeln. Bei gut betuchten Kunden sollen elf Investmentzentren und 140 Mitarbeitern sowie eine Vermögensverwaltung punkten, die höhere Provisionseinnahmen versprechen.

