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30.05.2007 
Wewttbewerb der Marktplätze

SEC probt vorsichtige Lockerungsübung

von D. Fockenbrock und T. Riecke

Die US-Börsenaufsicht SEC arbeitet an einer Aufweichung ihrer rigiden Finanzmarktvorschriften. Die Anerkennung von internationalen Bilanzregeln ist ein wichtiger Schritt. Denn die Wall Street steht unter Zugzwang: Sie fällt im Wettbewerb zurück.

Hektisches Treiben an der Wall Street: New York will als Börsenplatz wieder attraktiver werden.Lupe

Hektisches Treiben an der Wall Street: New York will als Börsenplatz wieder attraktiver werden.

DÜSSELDORF/NEW YORK Die Hochburg des Kapitalismus lässt die Zugbrücken runter. Seitdem US-Finanzminister Henry Paulson vor sechs Monaten in einer Brandrede an der Wall Street eine Erneuerung der amerikanischen Finanzmarktaufsicht gefordert hat, überschlagen sich Politiker und Experten mit Reformvorschlägen. Mehrere Untersuchungskommissionen wurden gegründet, die Unternehmensberatung McKinsey hat eigens eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Finanzmetropole New York angefertigt, und kürzlich forderte US-Notenbankchef Ben Bernanke gar, Amerikas Finanzwächter sollten sich die Liberalität ihrer britischen Kollegen zum Vorbild nehmen. Der Grund für den Aktivismus: London und andere Finanzplätze bedrohen die Spitzenstellung der Wall Street.

Zwar ist der große Wurf der Reformer bislang ausgeblieben. Dennoch bewegt sich etwas in Amerika. Die Börsenaufsicht SEC hat ihre Vorschriften gelockert, nach denen sich ausländische Unternehmen von amerikanischen Börsen und der dortigen Bilanzierungspflicht wieder abmelden können. Einige europäische Firmen machen bereits davon Gebrauch (siehe Seite 2: "Altana und SGL Carbon . . .").

Darüber hinaus haben die US-Finanzaufseher die Regeln des berüchtigten Sarbanes-Oxley-Gesetzes (SOX) überarbeitet und damit den Kontrollaufwand für Firmen und Wirtschaftsprüfer gemindert. Eine wahre Revolution zeichnet sich je-doch bei den Bilanzregeln ab. Bis 2009 wollen die USA ausländischen Unternehmen erlauben, ihren Jahresabschluss nur noch nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) vorzulegen.

Auf dieses Ziel arbeitet der International Accounting Standard Board (IASB) schon seit sechs Jahren hin. Für europäische Firmen ist ein Abschluss nach den IFRS-Regeln seit 2005 Pflicht. Bislang müssen die Europäer jedoch ihr Zahlenwerk den US-GAAP-Regeln anpassen. Das ist nicht nur teuer, sondern kostet auch Zeit. Die neue Offenheit der Finanzwächter wird dadurch noch auf die Spitze getrieben, dass die SEC möglicherweise auch US-Firmen die freie Wahl ihres Bilanzierungsstandards gestatten will. Ein Schritt, der vor zwei Jahren noch völlig undenkbar erschien.

Eine Zulassung der IFRS-Abschlüsse an den US-Börsen bedeute eine "Riesenerleichterung für die Unternehmen", sagt Armin Slotta, Spezialist für internationale Rechnungslegung bei Pricewaterhouse Coopers. Die Öffnung der amerikanischen Bilanzfestung sei "längst überfällig". Eine gleichzeitige Bilanzierung nach IFRS und US-GAAP sei für nichtamerikanische Unternehmen ein Wettbewerbsnachteil. Die Konzerne müssten zwei verschiedene interne Rechnungssysteme verwalten, und auch die Kapitalmarktkommunikation sei komplizierter. So umfasste der letzte Geschäftsbericht der britischen Großbank HSBC 454 Seiten. Nach Slottas Einschätzung fällt die Kostenersparnis für die vereinfachte Buchführung allerdings nicht so sehr ins Gewicht. Denn nach wie vor müssten an US-Börsen notierte Unternehmen beispielsweise die SOX-Vorschriften erfüllen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "Die Amerikaner werden sich sehr schwer trennen von ihrem GAAP."

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