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30.05.2007 

Max Dietrich Kley, Ex-BASF-Finanzchef und heute Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI), rechnet damit, dass vielleicht schon ab dem Geschäftsjahr 2008 nicht-amerikanische Unternehmen die Möglichkeit haben, ihre Abschlüsse trotz US-Notierung in IFRS zu machen. Auf die Frage, ob dieser Prozess langfristig auf einen einheitlichen, weltweiten Bilanzierungsstandard hinauslaufe, sagte Kley: "Die Amerikaner werden sich sehr schwer trennen von ihrem GAAP." Mit anderen Worten: Er rechnet nicht mit einem Einheitsstandard.

Genau den fordern jedoch renommierte Bilanzexperten wie Charles Elson. "Wenn sich die Kapitalmärkte globalisieren, brauchen wir einen globalen Bilanzierungsstandard", sagt der Professor für Corporate Governance an der University of Delaware. So wie Englisch die einheitliche Sprache im Luftverkehr sei, müsse es auch für die Rechnungslegung eine einheitliche Sprache geben. Ob es sich dabei um IFRS oder US-GAAP handele, sei zweitrangig, entscheidend sei die Transparenz für die internationalen Investoren. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Regelwerken besteht darin, dass die US-Bilanzbibel aus Tausenden von Einzelvorschriften besteht, während die internationalen Regeln stärker auf allgemeinen Bilanzgrundsätzen beruhen.

Dass die US-Finanzwächter überhaupt über eine Harmonisierung nachdenken, zeigt, wie stark der Wettbewerbsdruck ist. "Der Markt spricht eine klare Sprache, die Amerikaner sind aufgewacht", sagt Winfried Melcher, Partner beim Wirtschaftsprüfer KPMG, mit Blick auf die wachsende Konkurrenz aus London. So räumt SEC-Chef Cristopher Cox denn auch ein: "Der potenzielle Vorteil (einer Anerkennung der IFRS-Regeln) besteht auch darin, dass wir (ausländische) Unternehmen für eine Notierung an den US-Kapitalmärkten gewinnen, die ansonsten von den hohen Bilanzierungskosten abgeschreckt würden."

Ein Ziel, dem sich jetzt auch New Yorks Gouverneur Eliot Spitzer verschrieben hat. Der frühere Generalstaatsanwalt plant eine weitere Arbeitsgruppe, um die Regeln für Finanzdienstleister zu modernisieren. Als "Sheriff der Wall Street" hatte Spitzer noch dafür gesorgt, die Zügel der Aufsichtsbehörden fester anzuziehen.

Altana und SGL Carbon wandern ab

Zu viel Aufwand: Weil Aufwand und Ertrag in keinem Verhältnis mehr stehen, ziehen sich immer mehr Konzerne von den US-Börsen zurück. So ist der Chemiekonzern Altana seit 21. Mai nach Angaben eines Unternehmenssprechers nicht mehr in New York gelistet. Die offizielle Deregistrierung wird noch eingeleitet. Altana vermeidet damit Zusatzkosten von zwei bis drei Mill. Euro jährlich. Auch der Grafithersteller SGL Carbon wird zum 25. Juni der US-Börse den Rücken kehren. Damit sind jetzt noch 16 deutsche Unternehmen in den USA notiert. Viele wollen es wegen der starken Präsenz auf dem US-Markt oder der hohen Zahl amerikanischer Investoren auf jeden Fall bleiben.

Neue SEC-Regeln: Die US-Börsenaufsicht SEC erleichtert ausländischen Unternehmen den Rückzug. Die neuen Regeln gelten ab dem 4. Juni. Das Delisting ist für Unternehmen relativ einfach, sie stellen die Notierung ein. Dann bleiben aber vorerst umfangreiche Berichtspflichten, bis auch die Deregistrierung anerkannt ist. Die erfolgt, wenn die Unternehmen nachweisen können, dass ihr US-Anteil am täglichen Aktienhandelsvolumen unter fünf Prozent liegt. Die Deregistrierung kann wegen der vorgeschriebenen Fristen nach einem Jahr erfolgen.

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