Es hatte die letzte Klappe werden sollen, der Schlussstrich unter eine Affäre. Doch dann entpuppt sich die vermeintliche Schlusssequenz als Pilotsendung zur zweiten Staffel einer Seifenoper: Die Vertuschungsaffäre der österreichischen Bank Hypo Alpe-Adria wird zum Politikum.
Hypo Alpe-Adria: Seifenoper am Wörthersee
KLAGENFURT. Es hatte die letzte Klappe werden sollen, der Schlussstrich unter eine Affäre. Doch dann entpuppt sich die vermeintliche Schlusssequenz als Pilotsendung zur zweiten Staffel einer Seifenoper: In einem fensterlosen Raum des Wiener Marriott-Hotels gibt bei Lachsbrötchen und dünnem Kaffee vor zwei Wochen ein sichtlich um Fassung ringender Wolfgang Kulterer seinen Rücktritt als Vorstandschef der Hypo Alpe-Adria-Bank bekannt. Er zieht damit die Konsequenz daraus, dass bei der fünftgrößten österreichischen Bankengruppe, die im beschaulichen Klagenfurt am Wörthersee residiert und übernächstes Jahr an die Börse strebt, ein Verlust von 328 Mill. Euro nicht vollständig in der Bilanz aufgetaucht war.
Der Auftritt beim Rücktritt war „großes Kino“, wie ein Zuschauer bemerkt, der den Saal während laufender Vorstellung verlässt. Kulterer hat da gerade von verlorenen Freunden und einer zerbrochenen Ehe erzählt und hinzugefügt: „Aber das ist der Preis für den Job.“ Wie ein Märtyrer steht der 52-Jährige, der sich einen Workaholic nennt, da, als er sagt: „Ich übernehme die Verantwortung und ziehe die Konsequenz. Persönlich bin ich mir aber keiner Verfehlung bewusst.“
Doch dann berichten er und sein Aufsichtsrat über die Konsequenzen im Detail: Kulterer soll zum Oktober an die Spitze des Aufsichtsrats der Bank wechseln. Selbstverständlich behalte er seine Bezüge als Vorstand über die gesamte Laufzeit seines Vertrages, also noch viereinhalb Jahre, wie Aufsichtsratsmitglied Othmar Ederer auf Nachfrage einräumt. Damit ist klar: Die letzte Klappe zur Serie über die Bank vom Wörthersee ist noch nicht gefallen. Als erstes meldet sich der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider zu Wort. Er vertritt die Interessen des Landes bei der Bank. Sie sind nicht gering. Nicht nur weil Kärnten 49,4 Prozent der Anteile hält, sondern beispielsweise auch, weil sich Haiders ehemalige Partei, die Freiheitliche Partei Österreichs, schon mal die voraussichtliche Wahlkampfkosten-Erstattung bis zum Jahr 2013 von der Hypo Alpe-Adria vorschießen ließ.
Haider steckt jetzt wieder im Wahlkampf. Österreich entscheidet im Oktober über ein neues Parlament. Der Landeshauptmann kann eine Privilegiendiskussion gar nicht gut brauchen. Er poltert deswegen: „Entweder Kulterer verzichtet auf die Gehaltsfortzahlung oder er wird vom Haupteigentümer abgezogen.“ Wieder gibt es eine Lachsbrötchensitzung, und wieder ist es Kulterer, der scheinbar den Kürzeren zieht: Er wird sein volles Gehalt nur noch bis 2007 beziehen und sich anschließend mit den Vergütungen eines Aufsichtsratsvorsitzenden zufrieden geben, der er ja dann sein soll. Dass ein Aufsichtsratspräsident bei einer Bank durchaus so viel verdienen kann wie der Vorstandschef, lassen die Herren unerwähnt. Schließlich soll Haider nicht Gelegenheit haben, die nächste Folge wieder als Hauptakteur zu bestreiten.
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