Die Schweizer Großbank Credit Suisse
ist nach einem Milliardenverlust zu Jahresbeginn wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Institut hat sich unerwartet gut geschlagen. Das Geldhaus profitiert von den Problemen beim Erzrivalen UBS
, der weit stärker von der Finanzkrise betroffen ist. Anleger feierten die Rückkehr in die schwarzen Zahlen.
HB ZÜRICH. Der Schweizer Bankkonzern Credit Suisse
hat mit dem ersten Abschluss einer europäischen Großbank für das zweite Quartal den Konkurrenten eine hohe Messlatte vorgelegt. Die zweitgrößte Bank des Landes profitierte von einem deutlichen Abbau der Risikopositionen und der Wertminderungen in Zusammenhang mit der Kreditkrise und wies nach Angaben vom Donnerstag einen Reingewinn von 1,22 Mrd. Franken (745 Mill. Euro) aus. Dies ist zwar deutlich weniger als in dem guten Vorjahresquartal, aber eine markante Verbesserung im Vergleich zu dem von Wertberichtigungen geprägten Vorquartalsverlust von 2,15 Mrd. Franken. Die Wertminderungen betrugen im zweiten Quartal netto lediglich noch 22 Mill. Franken.
Die über den Erwartungen liegende Neugeldzufluss im Wealth Management von 15,4 Mrd. Franken deutet zudem darauf hin, dass Mittel von dem von der Kreditkrise viel stärker betroffenen Erzkonkurrenten UBS
zu Credit Suisse
geflossen sind. Finanzchef Renato Fassbind sagte auf einer Telefonkonferenz, dass im Schweizer Wealth Management netto rund 3,5 Mrd. Franken zugeflossen seien. Dazu kämen rund zwei Mrd. von Firmenkunden und kleineren Privatkunden.
Zur Jahresmitte verwaltete Credit Suisse
Vermögen von 1412 Mrd. Franken. Der Rückgang von 13,3 Prozent innerhalb eines Jahres war vor allem auf ungünstige Fremdwährungseinflüsse und negative Marktbewegungen zurückzuführen.
Credit Suisse
dämpfte mit einem vorsichtigen Ausblick aber allzu optimistische Erwartungen. "Das Marktumfeld dürfte sich kurz- bis mittelfristig nicht verbessern", erklärte CEO Brady Dougan. Finanzchef Fassbind ergänzte, dass die Kreditklemme noch nicht zu Ende sei.
Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Quartalsgewinn von 526 Mill. Franken und einem Neugeldzufluss im Wealth Management von sieben Mrd. Franken gerechnet.
"Das Ergebnis ist schlicht sensationell", sagte ein Händler. "Es wurden alle Erwartungen weit übertroffen. Es gibt kaum Abschreibungen im Investmentbanking. CS liegt gegenüber der UBS
klar in Führung."
"Die Zahlen hätten auch eine höhere Abschreibung ausgehalten" so ein weiterer Marktteilnehmer. Wenn die Credit Suisse
nicht mit einer kurz- bis mittelfristigen Verbesserung des Marktumfeldes rechnet, fühlten sie sich wohl gut positioniert, heißt es. Positiv wird auch der deutliche Anstieg im Nettoneugeld im Wealth Management gewertet. Die Aktie konnte davon profitieren und notierte nach Handelsstart um mehr als 6 Prozent im Plus bei 32 Euro.

