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20.11.2008 
Bank of America

Shoppen mit Staatsgeld

von Rolf Benders und Andreas Hofbauer

Obwohl der Gewinn eingebrochen ist und die seine Bank mit 25 Milliarden Dollar aus dem staatlichen Rettungspaket gestützt werden musste, geht Bank of America-Chef Kenneth Lewis derzeit auf internationale Einkaufstour. Nun hat er den Anteil der BoA an der China Construction Bank verdoppelt. Kostenpunkt: Sieben Mrd. Dollar.

Bank of America-Chef Kenneth Lewis (rechts) hat seine Anteile an der China Contruction Bank verdoppelt. Foto: dpaLupe

Bank of America-Chef Kenneth Lewis (rechts) hat seine Anteile an der China Contruction Bank verdoppelt. Foto: dpa

NEW YORK/PEKING. Die Bank of America (BoA) ist mitten in der Krise weiter auf Einkaufstour. Das drittgrößte US-Institut nach Bilanzsumme hat ihren Anteil an der China Construction Bank (CCB) für sieben Mrd. Dollar auf nun 19,1 Prozent fast verdoppelt. Wie die CCB in Peking bestätigte, übt der amerikanische Anteilseigner eine Option zum Kauf von 19,6 Mrd. Aktien aus. BoA-Chef Kenneth Lewis hatte in der aktuellen Krise bereits zwei Mal zugegriffen. So übernahm er die angeschlagene Investmentbank Merrill Lynch und den faktisch insolventen Hypothekengiganten Countrywide.

BoA ist zwar wie alle anderen US-Banken auch von massiven Abschreibungen in der aktuelle Krise betroffen. Der Gewinn brach im letzten Quartal um 68 Prozent ein, immerhin schreibt Lewis aber noch schwarze Zahlen. Experten erwarten, dass das neuerliche Investment zu Unmut in der Politik führen wird. Schließlich hatte BoA zuletzt 25 Mrd. Dollar aus dem Bankenrettungsprogramm der US-Regierung erhalten. „Ich frage mich, ob sich das der Kongress nicht ansehen wird“, sagte Nancy Bush, Analystin bei NAB Research. Schließlich könne man auf die Idee kommen, dass Steuergelder im Ausland investiert würden. Seit einiger Zeit regt sich im Kongress Widerstand dagegen, dass staatlich unterstützte Institute hohe Boni zahlen und durch Zukäufe expandieren. Das Geld soll stattdessen für Kredite zur Ankurbelung der US-Wirtschaft eingesetzt werden. Bislang wurden die Hilfen ohne Auflagen vergeben. Ein BoA-Sprecher sagte, das Staatsgeld werde nicht für die CCB-Transaktion genutzt.

Nach Ansicht der Analysten ist der Zukauf in China ein Schnäppchen. Geschätzt wird, dass der Preis pro Aktie, den die BoA zahlt, rund ein Drittel unter dem aktuellen Kurs in Hongkong liegt. Gekauft werden die 19,6 Mrd. Aktien vom chinesischen Staatsfonds, der weiterhin mehr als 50 Prozent besitzen und CCB kontrollieren wird.

In China reagierten Anleger wenig begeistert auf die Transaktion. Der CCB-Kurs gab in Hongkong gestern deutlich nach. „Weniger als Motivation zum Kauf haben etliche Anleger die Aufstockung als Chance zum Verkauf verstanden“, kommentierte dies Paul Lee, Analyst von Tai Fook Securities in Hongkong. Viele Anleger befürchten, dass BoA ihren Anteil an der China-Bank bald versilbern könnte, um die eigene Kapitalsituation aufzubessern. Ein BoA-Sprecher sagte dazu, der Zukauf werde die Kapitalsituation des Instituts nicht belasten. Mit der Aufstockung der Anteile wolle man Gerüchte über einen Verkauf zerstreuen. Man wolle ein „langfristiger und wichtiger strategischer Investor der CCB bleiben“.

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