Die Skandale um den schwedischen Versicherungskonzern Skandia reißen nicht ab. Auf der Hauptversammlung Ende vergangener Woche in Stockholm verweigerte eine überwältigende Mehrheit der Aktionäre dem alten Aufsichtsrat die Entlastung.
Entlastung des Aufsichtsrats des schwedischen Versicherers verweigert: Skandia-Skandal zieht immer weitere Kreise
hst STOCKHOLM. Es ist das erste Mal seit fast 20 Jahren, dass in Schweden einem Aufsichtsrat die Entlastung verweigert wird.
Dem Gremium, dem auch der frühere deutsche Wirtschaftsminister Günther Rexrodt (FDP) angehört, wird vorgeworfen, extrem hohe Bonuszahlungen an Top-Manager genehmigt und verschleiert zu haben. Im vergangenen Jahr war enthüllt worden, dass sich mehrere Top-Manager von Skandia, unter ihnen auch der damalige Chef, Bonuszahlungen und Luxuswohnungen zugeschanzt haben. Skandia ist der größte und älteste Versicherer Schwedens.
Ob das enorme Misstrauensvotum gegen den Aufsichtsrat, der bis April 2003 im Amt war, eher eine symbolische Geste bleibt, ist noch nicht klar. Denn durch die Nichtentlastung besteht nun die Möglichkeit, gegen die Aufsichtsratsmitglieder vor Gericht Schadenersatzansprüche geltend zu machen.
Gleichzeitig wurden auf der Hauptversammlung (HV) neue Bonuszahlungen an die Chefs von Skandias britischer Tochtergesellschaft bekannt. Zwischen 1997 und 2002 sollen insgesamt rund eine Milliarde Kronen (108 Millionen Euro) an die Top-Manager gezahlt worden seien. Bislang waren nur Bonuszahlungen in Höhe von rund 2,5 Milliarden Kronen bekannt, die an mehrere Führungskräfte der Muttergesellschaft ausgeschüttet wurden.
Mit den neuen Enthüllungen steht fest, dass Skandias Gewinne der vergangenen fünf Jahre einzig und allein für die Zahlung von Boni verwendet wurden. Ob jetzt sämtliche Sondervergütungen auf dem Tisch liegen, ist aber noch nicht sicher. Auf der HV forderten mehrere Aktionäre eine Überprüfung der Bonuszahlungen bei der US-Tochter, deren Chef mehrere Jahre das heutige Vorstandsmitglied der Allianz, Jan Carendi, war.
Für den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Lars Ramqvist ist der Vertrauensentzug das endgültige Ende seiner in Schweden beispielhaften Karriere. Der ehemalige Chef des Telekom-Riesen Ericsson galt bis Anfang 2003 als Schwedens mächtigster Wirtschaftsboss. Jetzt droht ihm im schlimmsten Fall ein Gerichtsverfahren.

