Im Verhandlungspoker um eine eventuelle Fusion der Commerzbank mit der Dresdner Bank treten nun vermehrt Skeptiker auf den Plan. Neben den Gewerkschaften, die bei einer gemeinsamen Übernahme der Postbank um tausende Arbeitsplätze fürchten, kritisieren nun auch Mitglieder der Führungsetage eines beteiligten Instituts einen möglichen Zusammenschluss.
HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Fusionsverhandlungen der Commerzbank mit der Dresdner Bank rufen nun auch Skeptiker auf den Plan. „Bisher ist die Commerzbank auch allein ganz gut zurechtgekommen, selbst in schwierigen Zeiten. Vorstandsmitglied Achim Kassow hat doch gerade erst die gute Ergebnisentwicklung im Privatkundengeschäft herausgestellt“, sagte Commerzbank-Aufsichtsratsmitglied Uwe Tschäge, der dem Gesamtbetriebsrat der Bank vorsteht, dem Magazin „Euro am Sonntag“ laut Vorabbericht. Hintergrund der Äußerungen ist die immer konkretere Formen annehmende Annäherung beider Institute.
Am Freitag hatte Reuters von einem Mitglied des Commerzbank-Kontrollgremiums erfahren, dass beide Institute sich bereits in die Bücher schauen. „Das ist ein Zeichen der besonderen Ernsthaftigkeit dieses Prozesses“, hatte es geheißen.
Von Seiten der Dresdner Bank hieß es lediglich allgemein, sie wolle zusammen mit ihrer Konzernmutter Allianz eine „aktive Rolle“ bei der anstehenden Konsolidierung im Bankensektor spielen und hält auch Fusionen auf europäischer Ebene für notwendig. „Ich glaube, dass die großen Spieler am Markt wissen, dass wir auch mit Blick auf unsere deutlich größeren europäischen Wettbewerber Handlungsdruck haben. Das deutsche Kreditgewerbe muss rentabler werden“, sagte der Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter, der „Wirtschaftswoche“ laut einem Vorabbericht vom Samstag.
Es sei bekannt, dass die Dresdner Bank dabei sei, das Privat- und Firmenkundengeschäft als Tochterbank zu etablieren, sagte Walter. Das schaffe Flexibilität. Er verwies zudem darauf, dass Fusionen nicht nur in Deutschland notwendig seien, sondern die deutschen Banken auch europäische Institute im Blick haben müssten. „Wegen der fortschreitenden Integration wachsen immer mehr Wettbewerber in eine europäische Dimension hinein. Wer durch Zusammenschlüsse größer werden will, muss deshalb auch Europa im Blick haben“, betonte der Chef des Kreditinstituts.
Ein Zusammenschluss der Commerzbank mit der Allianz-Tochter wäre der größte Bankendeal in Deutschland seit dem Verkauf der Münchener HVB an die italienische Unicredit vor drei Jahren. Die Commerzbank spricht seit Wochen mit der Allianz über ein gemeinsames Vorgehen im anstehenden Übernahmepoker in der deutschen Bankenbranche. Das Institut gilt mit einem Börsenwert von 13 Milliarden Euro als zu klein, um ohne Partner mittelfristig eine gewichtige Rolle spielen zu können. Gemeinsam mit der Dresdner Bank bemüht sich die Commerzbank derzeit Finanzkreisen zufolge auch um einen Kauf der Postbank, die möglicherweise ebenfalls im Sommer über den Ladentisch geht.
Gegen ein solches Dreierbündnis laufen aber die Gewerkschaften Sturm, da sie den Abbau von 20 000 Stellen befürchten. Die Allianz steht unter zunehmendem Druck der Aktionäre, sich von der zuletzt Verluste schreibenden Dresdner Bank zu trennen. An dieser ist wiederum auch die Deutsche Bank interessiert. Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zufolge prüft das Institut ebenfalls die Bücher der Allianz-Tochter, die ähnlich wie die Deutsche Bank ein wichtiges Standbein im Geschäft mit wohlhabenden Kunden hat. Alle beteiligten Häuser hatten Stellungnahmen abgelehnt.

