Seit Montag steht Daniel Bouton, Chef der französischen Großbank Société Générale, vor Gericht. Bei dem Verfahren vor der elften Strafkammer Paris, das im Beisein Boutons eröffnet wurde, geht es allerdings nicht um den Milliarden-Skandal, den der Händler Jérôme Kerviel ausgelöst hat.
PARIS. Bouton muss sich zusammen mit 137 anderen Angeklagten in einer Geldwäsche-Affäre verantworten, deren Ursprünge elf Jahre zurückliegen. Auf der Anklage-Bank sitzen neben der Société Générale Barclays-France, die Société Marseillaise de Credit sowie die Banque nationale du Pakistan. Alle Beteiligten beteuern ihre Unschuld.
Die Ermittlungsrichter werfen den Beschuldigten vor, zwischen 1996 und 2001 Geldwäsche über Scheck-Auszahlungen in ihren Instituten geduldet zu haben. Bouton habe es versäumt, diese Geldwäsche-Geschäfte durch Verstärkung der internen Kontrollen zu stoppen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Der Prozess ist bis Juli angesetzt.
Der Hintergrund: In den 90er Jahren war ein Pariser Betrüger-Ring aufgeflogen, der unter anderem Versicherungsbetrug und Steuerhinterziehung begangen hatte. Im Anschluss daran rückten die Geldwäsche-Zirkel der Täter ins Zentrum der Ermittlungen. Demnach nutzten sie ein komplexes System mit Scheck-Zahlungen, um das Geld zu waschen: Den Ermittlungen zufolge ließen die Betrüger zwischen 1996 und 2001 Schecks in Wechselstuben in Israel in bar auszahlen. Auf diese Weise konnten die ausbezahlten Beträge nicht weiter verfolgt werden.
Die Wechselstuben wiederum reichten die Schecks an ihre Hausbank weiter, die die Beträge von einer so genannten Korrespondenzbank zurückforderte. Eine dieser Banken in Frankreich war die Société Générale.

