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18.03.2008 
Spekulationsaffäre

Société-Générale-Händler Kerviel kommt frei

In der Spekulationsaffäre bei der französischen Großbank Société Générale kommt der verdächtige Börsenhändler Jérôme Kerviel wieder auf freien Fuß. Eine Sprecherin sagte aber, es gebe „extrem strenge Auflagen“.

ali/HB PARIS. Das entschied ein Pariser Berufungsgericht am Dienstagmorgen, wie eine Sprecherin mitteilte. Er dürfe den Großraum Paris nicht verlassen und auch keine Aktivitäten im Zusammenhang mit den Finanzmärkten betreiben. Kerviel müsse sich zudem einmal wöchentlich bei der Polizei melden. Er wurde noch am Dienstag aus der Untersuchungshaft entlassen.

Der 31-Jährige hat dem Bankhaus Société Générale mit ungesicherten Spekulationen auf den Deutschen Aktienindex Dax und andere Indizes einen Schaden von 4,9 Mrd. Euro beschert. Die Bank geht davon aus, dass Kerviel allein handelte. Der Händler saß seit 8. Februar wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und Untreue in Untersuchungshaft. Ihm droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren sowie eine Geldstrafe von bis zu 750 000 Euro.

Jérôme Kerviel hat gegenüber der französischen Justiz ausgesagt, dass Mitarbeiter der Société Générale aktiv an seinen verbotenen Termingeschäften mitgearbeitet haben. Entsprechende Aussagen Kerviels zitiert die Agentur AFP aus den Protokollen der Staatsanwaltschaft. Kerviel habe demnach ausgesagt, dass er seinen "Assistenten beauftragt hat, fiktive Geschäfte in seinem Auftrag auszuführen". Dabei sei sich der Mitarbeiter vollkommen im Klaren darüber gewesen, dass Kerviel mit den fiktiven Gegengeschäften seine verbotenen Index-Wetten kaschieren wollte.

Laut der Protokolle beschuldigt Kerviel auch seine direkten Vorgesetzten; demnach hat er im Beisein seines Vorgesetzten an dessen Handelsterminal offene Positionen von "fünf bis sechshundert Millionen Euro" aufgebaut. Laut Justiz haben alle bisher Vernommenen etwaiges Wissen oder gar Mithilfe bei Kerviels Operationen abgestritten.

Vor dem Hintergrund der Affäre hat am Montag eine Führungspersonalie der Société Générale für Aufmerksamkeit gesorgt: Finanzchef Frédéric Oudéa wird zum beigeordneten Generaldirektor und damit zum Kreis der Stellvertreter von Bank-Chef Daniel Bouton befördert. Darin sehen Beobachter einen Hinweis, dass der 45-Jährige den Bank-Chef Bouton beerben könnte. Der weigert sich bisher allerdings, persönliche Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen.

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