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13.05.2008 
Strategiewende abgelehnt

Société Générale: Neue Spitze schiebt Krise beiseite

von Holger Alich

Frédéric Oudéa, der neue Vorstandschef der französischen Großbank Société Générale, will von einer Krise seiner Bank nichts wissen. Oudéa will damit den Kurs seines Vorgängers Daniel Bouton unverändert fortsetzen. Darüber hinaus ist nun auch von gezielten Akquisitionen in Wachstumsländern die Rede.

PARIS. Frédéric Oudéa, der neue Vorstandschef der französischen Großbank Société Générale, will von einer Krise seiner Bank nichts wissen. "Wir haben gute Marktpositionen und brauchen unser Geschäftsmodell nicht zu verändern", sagte Oudéa in einem gemeinsamen Interview von Handelsblatt und La Tribune. "Wir sind in der Lage, gezielte Zukaufmöglichkeiten zu nutzen." Dabei denkt er primär an gezielte Akquisitionen in Wachstumsländern, einer Großfusion teil Oudéa eine Absage: "Die Krise hat gezeigt, dass nicht Größe entscheidend ist, sondern der richtige Business-Mix."

Oudéa will damit den Kurs seines Vorgängers Daniel Bouton unverändert fortsetzen. Dieser gab den Posten des CEO auf, um sich fortan auf den Vorsitz des Verwaltungsrates zu konzentrieren. Bouton zog damit die Konsequenzen aus dem Händler-Skandal: Ende Januar meldete die Société Générale, dass Ex-Händler Jérôme Kerviel mit unerlaubten Spekulationsgeschäften der Bank einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro eingebracht hatte. Daraufhin musste die Bank ihr Kapital um 5,5 Mrd. Euro erhöhen.

"Die Tatsache, dass die Kapitalerhöhung deutlich überzeichnet war, zeigt, dass Investoren unseren Kurs unterstützen", meinte Oudéa. Als Beleg für die solide Verfassung seiner Bank verweist er zudem auf die Quartalsergebnisse: Der Nettogewinn sank weniger stark als erwartet um 23,4 Prozent. Allerdings ist das Zahlenwerk durch viele Einmal-Effekte verzerrt. So konnte die Großbank neue Lasten aus der Subprime-Krise von insgesamt 1,5 Mrd. Euro durch beispielsweise eine Neubewertung der eigenen Schulden kompensieren. Der Gewinn ist ferner durch den Verkaufserlös des Derivate-Brokers Fimat aufgebläht. "Die Ergebnisse geben nur die Illusion einer guten Performance", urteilte die Experten des Brokers Oddo. Die Kernsparten Retailgeschäft Frankreich, Investmentbanking und Vermögensverwaltung würden enttäuschen.

Mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen hat Oudéa offiziell sein Amt als Bank-Chef angetreten. Als erste Entscheidung baute der 44jährige den Vorstand um: Die Ex-Stellvertreter Boutons, Philippe Citerne und Didier Alix, hat Oudéa zum Teil entmachtet. Als dritter beigeordneter Generaldirektor rückt nun Séverin Cabannes nach. Der bisherige Personal-Chef soll vor allem das Risk-Management und das laufende Sparprogramm überwachen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vermögensveraltung schreibt rote Zahlen

Den einst mächtigen Chef der Investment-Bank, Jean Mustier, -Pierre unterstellte Oudéa seinem Kommando. "Jean Mustier-Pierre ist Chef der Investment-Bank, ich überwache lediglich diese Aktivität für den Vorstand", präzisierte Oudéa. Markt-Spekulationen, denen zufolge die Investmentbank nach dem Skandal zurechtgestutzt würde, erteilte er eine Absage: "Ich habe keinen Grund, das Geschäftsmodell der Investmentbank zu ändern." Nach einer Übergangsphase, während der verstärkte Kontrollen eingeführt würden, solle der Eigenhandel wie in der Vergangenheit rund ein Drittel zum Umsatz beitragen.

Die Investmentbank verzeichnete im ersten Quartal Wertberichtigungen von 1,2 Mrd. Euro. Diese konnten aber vollständig durch Neubewertungen des CDS-Portfolios und der eigenen Schulden der Bank kompensiert werden.

Die Krise zeigte aber erneut Schleifspuren bei der Vermögensverwaltung; sie rutschte gar in die roten Zahlen. Die Bank kauft weiter ihren Kunden Anteile an dynamischen Geldmarktfonds ab, in denen zum Teil Krisenpapiere steckten. Das führte zu Abschreibungen von 274 Mill. Euro. Hinzu kamen massive Mittelabflüsse (7,4 Mrd. Euro), so dass die Sparte unter dem Strich 31 Mill. Euro verlor.

Bank-Chef Oudéa deutet in Sachen Krisenlasten vorsichtigen Optimismus an. Es sei durchaus möglich, dass die Bank im zweiten Quartal keine weiteren Wertkorrekturen vornehmen müsse, sollte das angenommene Marktszenario tatsächlich eintreten.

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