Solvency II: Kleine Versicherer hoffen auf Sanio

Solvency II
Kleine Versicherer hoffen auf Sanio

Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Jochen Sanio, hat Vertreter der kleineren Anbieter, des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft sowie des Verbandes der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit für den 6. März nach Bonn eingeladen.

KÖLN. Sperriges Thema ist „Solvency II“, wobei es sich um die neuen, europaweiten Kapital- und Aufsichtsregeln für die Branche handelt. Und die kleinen, spezialisierten Anbieter fürchten das Aus, wenn sie nicht durch einen Sonderstatus vor erdrückenden Auflagen bewahrt werden. Denn in Deutschland entstanden in den letzten 250 Jahren viele Versicherer aus besonderen Interessenslagen heraus: Versicherungsgemeinschaften für Nord- oder Ostfriesen, für Priester, Rot-Kreuz-Krankenschwestern, Gartenbauunternehmer, Hundehalter oder Grundbesitzer – und das sind nur einige Beispiele.

Der oberste deutsche Aufseher hat die Lage längst erkannt: „Wir dürfen kleine Versicherungsunternehmen nicht mit einer Regulierung überfordern, die auf die Schwergewichtsklasse zugeschnitten ist.“ Er wolle – wie schon bei der Bankenrichtlinie Basel II – dafür sorgen, dass Solvency II nicht an den „Bedürfnissen der Kleinen vorbei geschrieben“ werde, verkündete Sanio vor kurzem. So hört sich Sanio nun am 6. März die großen Sorgen der kleinen Versicherer über Solvency II an. Seit Jahren basteln die europäischen Aufseher in etlichen Unterausschüssen, speziellen Arbeitsgruppen und Komitees an Normen, welche die Assekuranz wetterfest gegen die Unbilden der Kapitalmärkte, großer Katastrophen und das mögliche Unvermögen ihrer Vorstände machen soll.

Nach etlichen Verschiebungen sollen zur Jahresmitte nun zumindest die Rahmenbedingungen für diese künftige risikoorientierte Unternehmenssteuerung von Versicherungen vorliegen. Absehbar scheint bislang ein großes Regelwerk mit vielen Neuerungen.

„Der administrative Aufwand, der mit Solvency II verbunden sein wird, beschäftigt uns sehr“, klagt Bernhard Maier, Vorstandssprecher der Bayerischen Hausbesitzerversicherung, die es mit Deckungen rund um die Immobilien auf gut elf Mill. Euro Prämie (2005) bringt. Bei nur 50 Mitarbeitern sei das Geschäft sehr transparent und zusätzliche Bürokratie nur schlecht zu bewältigen. „Ein Mehr an Sicherheit für den Kunden“ vermag Maier vielfach nicht zu erkennen – beispielsweise bei der Vorschrift, Schadenrückstellungen künftig nach internationalen Gepflogenheiten so umfangreich zu berechnen, wie dies große Industrie- oder Rückversicherer mit langlaufenden Haftungsrisiken tun.

Die Risiken seines eigenen Geschäftes seien kurzfristiger Natur. Schäden werden zumeist innerhalb des Geschäftsjahres reguliert und sind damit vom Tisch. Hohe Rückstellungen braucht die Hausbesitzerversicherung daher nicht. Auch die Verpflichtung, die Kapitalanlagen künftig viermal statt wie bisher einmal jährlich im Rahmen so genannter Stresstests auf den Prüfstand zu stellen, verspreche „keine fundamental neuen Erkenntnisse“, meint Maier.

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