Allianz-Chef Michael Diekmann hat die kriselnde Tochter Dresdner Bank verteidigt, die ihrem Mutterkonzern zuletzt mit Abschreibungen von hunderten Millionen die Bilanz verhagelt hatte. Natürlich sei er mit den Ergebnissen im Bankgeschäft unzufrieden, dennoch müsse man fair Bilanz ziehen, sagte er. Gleichzeitig bestätigte er erstmals konkrete Gespräche zur Neuordnung der Bankenlandschaft in Deutschland.
ax/ HB MÜNCHEN. Es müsse das Ziel der privaten Kreditinstitut sein, wettbewerbsfähige Marktanteile zu bilden, sagte Diekmann am Mittwoch vor 4000 Aktionären auf der Hauptversammlung in der Münchener Olympiahalle. "Derzeit finden Gespräche statt, die aber noch nicht das Stadium erreicht haben, dass ich heute darüber berichten könnte."
Erstmals seit Jahren gebe es eine Situation, in der es zu größeren Zusammenschlüssen privater Banken kommen könne, sagte Diekmann. „Wir begrüßen diese Entwicklung.“ Es könne zu „guten Lösungen“ kommen. Die privaten Banken müssten deutlich höhere Marktanteile anstreben. Vor allem das Privatkundengeschäft in Deutschland wird von den öffentlich-rechtlichen Sparkassen und den genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken dominiert, die von privaten Häusern de facto nicht zu übernehmen sind. Konkreter wurde der Allianz-Chef nicht, um die eigene Position im Fusionspoker nicht zu schwächen. Denkbare Partner für die Dresdner wären die Deutsche Bank, Commerzbank und die Postbank. Bei der Hauptversammlung gab es auch Unterstützung für einen möglichen weiteren Ausbau des Bankgeschäfts.
Die Dresdner Bank gilt als großes Sorgenkind der Allianz. "Trennen Sie sich von der Bank", appellierte ein Kleinaktionärsvertreter unter Beifall an Diekmann. Die Allianz solle sich lieber auf das Versicherungsgeschäft konzentrieren. Der Vorstandschef verteidigte die Tochter aber: "Der langfristige Entwicklungstrend seit Übernahme der Dresdner Bank stimmt." Die Belastungen aus der Finanzmarktkrise bewegten sich "national wie international im niedrigen Bereich". Er räumte aber ein, dass die Führung des Versicherungskonzerns mit dem Ergebnis im Bankgeschäft nicht zufrieden ist. Im ersten Quartal hatte die Dresdner Bank wegen anhaltender Wertberichtigungen auf strukturierte Anleihen gut eine halbe Mrd. Euro Verlust.
Für die guten Ergebnisse im Versicherungsgeschäft und für die Dividendenerhöhung gab es viel Lob von den Aktionären. Ein bestimmendes Thema blieben aber die Probleme bei der Dresdner Bank. Die angekündigte Aufspaltung in Privat- und Geschäftskundenbereich sowie in das Investmentbanking sei begrüßenswert, sagte Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Im Gegensatz zu anderen Rednern sprach er sich für eine weiterhin starke Beteiligung an der Dresdner Bank aus: "Ich hoffe, dass wir langfristig entsprechende Vertriebskanäle haben werden."
Der Versicherungsriese hat seine Tochter mehrfach umgebaut - bis jetzt ohne durchschlagenden Erfolg. Ein Verkauf wäre nach Einschätzung von Analysten ein Befreiungsschlag und könnte den Aktienkurs beflügeln.
Hoffnung setzt Diekmann auf eine intensivere Zusammenarbeit mit HSBC, der nach ihrem Börsenwert größten Bank der Welt außerhalb Chinas. Schon 2007 habe die Allianz mit HSBC eine Kooperation für den Versicherungsbereich vereinbart, sagte Diekmann. Die Briten vermitteln der Allianz nun Schaden- und Unfallpolicen aus Europa, dem Nahen Osten sowie der Region Asien/Pazifik. „Ich bin zuversichtlich, dass sich hier eine für beide Partner sehr interessante globale Geschäftsbeziehung aufbauen lässt“, so Diekmann.
Eine genaue Ergebnisprognose für 2008 wagte Diekmann nicht. Der Überschuss hänge von der Börsenentwicklung ab. Diese werde im zweiten Halbjahr aber wieder positiver gesehen. 2007 war die Allianz auf einen Rekordgewinn von acht Mrd. Euro gekommen - so viel wie kein anderes deutsches Unternehmen. Finanzvorstand Helmut Perlet hatte zuletzt bereits gesagt, dass 2008 ein schwieriges Jahr sei. Das mache es der Allianz schwer, ihr mittelfristiges Ziel zu erreichen. Die Münchner haben sich vorgenommen, den operativen Gewinn von 2007 bis 2009 im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr zu steigern. Am Ende soll ein Ergebnis von 13,3 Mrd. Euro stehen.

