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06.03.2006 
Auf der Suche nach Beratern

Späte Bankkarrieren

von Robert Landgraf

Wolfgang Clement tut es, Hans-Olaf Henkel tut es, Lothar Späth und Gero Brahms ebenfalls. Die Politiker, Unternehmens- bzw. Verbandslenker setzten auf eine zweite Karriere in internationalen Banken. Sie arbeiten bei Topadressen wie Citigroup, Bank of America, Merrill Lynch und Société Générale. Als Elderstatesmen und ehemalige Wirtschaftsführer sollen sie Glanz in den Instituten verbreiten und dabei helfen, Geschäfte einzufädeln.

Immer mehr Topleute aus Wirtschaft und Politik steigen nach Jahren bei Banken ein. Foto: dpaLupe

Immer mehr Topleute aus Wirtschaft und Politik steigen nach Jahren bei Banken ein. Foto: dpa

FRANKFURT. Manchmal ist der Absprung schwierig, wie das Beispiel des ehemaligen Staatssekretärs Caio Koch-Weser zeigt. Bislang verhinderte das Finanzministerium einen Wechsel Koch-Wesers zur Deutschen Bank, da er als Staatsdiener unter anderem für die Bankenaufsicht zuständig war.

Der Einsatz der Topleute aus Wirtschaft und Politik ist gefragt, wenn es darum geht, in neue Dimensionen im Deutschland-Geschäft vorzustoßen. Das gilt etwa für den ehemaligen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel. Wie Ex-Wirtschaftsminister Clement (Citigroup) wechselte er in diesen Tagen zu einer Großbank, der Bank of America (BoA). Die BoA hofft, dass Henkel beim Ausbau „unseres Investment-Banking-Geschäfts in der Region“ hilft, wie Andreas Dombret, Vice-Chairman Global Investment-Banking betont.

Die BoA erwirtschaftet nach seinen Worten rund zwölf Prozent der europäischen Erträge in Deutschland und will 2006 rund 15 Prozent erreichen. Dabei setzt Dombret auf den Ausbau seiner deutschen Mannschaft und den streitbaren Henkel, der 39 Jahre für den US-Computerkonzern IBM arbeitete. Henkel selbst sieht sich als Botschafter der Bank in Deutschland und den USA. Er biete Kontakte und Netzwerke, aber auch strategische Beratung, wenn es etwa um Risikoeinschätzungen bei Industrieprojekten gehe, sagte er dem Handelsblatt.

Gute Erfahrungen mit Elderstatesmen hat bereits Karl Dannenbaum gemacht. Der Deutschland-Chef von Lehman Brothers engagierte Ex-Außenminister Klaus Kinkel 2002 als Berater und gewann damit ein „Extraradar“ – einen Mann mit einer „etwas anderen Perspektive“. Mit seiner Hilfe will Dannenbaum Lehmans Marktanteil bis 2010 auf acht Prozent verdoppeln und zu den fünf wichtigsten Banken in Deutschland aufrücken. Zurzeit rangiert Lehman nach eigener Einschätzung auf Platz neun.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auch die Berater profitieren von ihrem Job.

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