0 Bewertungen
27.08.2007 
Hypothekenkrise

Spanien droht herber Dämpfer

von Anne Grüttner

Die internationale Finanzkrise hat bisher kaum direkte Auswirkungen in Spanien gezeigt, doch zum Aufatmen gibt es wenig Grund. Denn die indirekte Wirkung der steigenden Zinsen dürften die hoch verschuldeten Spanier sehr viel stärker spüren als andere.

MADRID. Bleibt der Euribor als entscheidender Zinssatz für Termingelder im Interbankenhandel über die nächsten Monate hoch, so fürchten Experten, dann könnte der hohe Anteil an variabel verzinsten Hypothekenkrediten in Spanien eine Bombe darstellen.

Die von dem US-Hypothekenmarkt ausgehenden Krisenwellen hätten "keinen signifikanten oder wichtigen Effekt" auf die spanische Wirtschaft, die weiterhin ein "sehr gutes Bild" abgebe, so versicherte unlängst Spaniens Ministerpräsident Rodríguez Zapatero. Kurzfristig hat er damit wohl Recht. Spanische Finanzinstitutionen haben nach bisherigen Informationen der Zentralbank und der Börsenaufsicht nur in unbedeutendem Ausmaß in die Kreditverbriefungen und-derivate im Zusammenhang mit dem US-Hypothekenmarkt investiert, welche etwa die deutsche IKB zum Taumeln brachten.

Auch gibt es in Spaniens Immobilienmarkt nach Auskunft der Aufsichtsbehörden praktisch keinen Subprime-Sektor wie in den USA. Nur knapp 1,3 Prozent des gesamten spanischen Hypothekenvolumens wurde etwa an Kreditnehmer vergeben, die irgendwann einmal ihren Kreditverpflichtungen nicht nachgekommen sind. Die Ausfallraten spanischer Banken bei Hypothekenkrediten sind im europäischen Vergleich bisher äußerst niedrig, wenn auch stetig steigend. Nach Auskunft der spanischen Zentralbank gelten nur 12,5 Mrd. Euro beziehungsweise 0,75 Prozent des gesamten an den privaten Sektor vergebenen Kreditvolumens als zweifelhaft.

Doch mittelfristig könnte der wegen knapper Liquidität stetig steigende Euribor, der als Referenzzins für die Hypothekenkredite dient, das spanische Finanzsystem und die gesamte Wirtschaft in arge Bedrängnis bringen. Denn von dem gesamten Hypothekenkreditvolumen in Spanien in Höhe von rund einer Billion Euro sind 90 Prozent variabel verzinst.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Immobilienpreise dürften in Spanien noch schneller sinken.

Derzeit stecken die Iberer durchschnittlich knapp die Hälfte ihres Einkommens in die Bedienung der Hypothek. Für einen Hypothekenkredit über 200 000 Euro müssen die Spanier allein aufgrund des gestiegenen Euribors seit Anfang des Jahres rund 140 Euro pro Monat mehr zahlen. Das macht bei einem Durchschnittseinkommen von etwa 1 600 Euro im Monat eine deutliche Mehrbelastung aus. "Sollte die Liquiditätskrise an den Kapitalmärkten über die Sommerpause hin anhalten, was sich unter anderem in einem signifikant über dem EZB Leitzins liegenden Euribor ausdrückt, dann könnte sich der Trend zu höheren Kreditausfallraten in Spanien schneller beschleunigen als in Ländern, in denen ein hoher Anteil des Hypothekenmarktes eine langfristige Zinsbindung aufweist", warnt Florian Eichert, Analyst in der Kredit-Research Abteilung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Davon betroffen dürften nach Schätzung der Landesbank vor allem kleinere Sparkassen sowie Volksbanken sein, bei denen die Ausfallraten schon jetzt höher sind als bei den privaten Banken. "Banken wie die BBVA oder Santander haben sowohl vom geografischen Fokus als auch vom Geschäftsprofil eine deutlich geringere Abhängigkeit vom spanischen Immobilienmarkt", so der Analyst.

Das Beben auf den Finanzmärkten trifft in Spanien auf einen Immobilienmarkt, der ohnehin gerade in der Abkühlung begriffen war. Schon vor Beginn der Subprime-Krise begannen in den großen spanischen Städten die Immobilienpreise zu sinken - eine Tendenz, die sich bei anhaltend hohen Zinsen beschleunigen dürfte. Damit verschlechtert sich bei laufenden Hypothekenkrediten das Verhältnis des Kreditwerts zum Wert der als Garantie dienenden Immobilien. Die Verluste der Banken dürften deshalb im Fall der Verwertung steigen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Zusammenlegung von Depots bringt Vorteile  Artikel in Merkliste

22.11.2008

Wer seine Bankverbindungen bei einem Anbieter bündelt, fährt bei der Einführung der Abgeltungsteuer besser. Gewinne und Verluste lassen sich so einfacher verrechnen – Anleger müssen sich zu viel gezahlte Abgeltungsteuer sonst vom Fiskus zurückholen. Artikel


Anzeige